Adrian Stemmer

15 Minuten – gut investiert

Im Ayurveda liegt der Fokus verstärkt auf die Vorbeugung von Krankheiten (Prophylaxe) als die Heilung von Krankheiten. Ist eine Krankheit im Körper erst einmal etabliert, benötigt dies viel Geschick und Zeit die Krankheit aus dem System zu lösen. Aus diesem Grund legt der Ayurveda Wert auf verschiedenen Maßnahmen zur Pflege der Gesundheit.

Gerade zu dieser Jahreszeit ist die Krankheitsquote in den Büros und allgemein auf der Arbeit höher als zu anderen Jahreszeiten. Meistens fangen wir an, unseren Körper zu pflegen, nachdem die Nase bereits tropft oder die Stimmbänder schmerzen. Die Heilung dieser Leiden kann uns dann oft nicht schnell genug gehen. Daher greifen wir oft zu Medikamenten, die meistens die Symptome der Krankheit unterdrücken und weniger die Krankheit kurieren. Der Rückfall ist daher oft schon vorprogrammiert. 

Mit wenigen Mitteln können wir dies gerade zu dieser Jahreszeit vermeiden. Wir investieren dazu einfach morgens ein paar Minuten mehr, und am Wochenende darf es gerne auch etwas länger sein. Diese 15 Minuten morgens sind dann gut in unsere Gesundheit investiert.

Die morgendlichen Reinigungsrituale im Ayurveda sind sehr viel umfassender als hierzulande üblich. Sie dienen dazu, dass Giftstoffe abtransportiert werden, das Verdauungsfeuer wird angeregt, und der Geist wird geklärt. Nutzen Sie dieses Wissen, und starten Sie voller Vitalität in den Tag. Beginnen Sie jeden Morgen damit, ein Glas lauwarmes Leitungswasser auf nüchternen Magen zu trinken. So kurbeln Sie Ihren Stoffwechsel an!

Morgendliche Zungenreinigung

Wir beginnen morgens mit einer Zungenreinigung. Typische Kapha-Beschwerden wie ein Verschleimung der Nasennebenhöhlen und der oberen Atemwege werden weniger oder verschwinden sogar ganz.

Nutzen Sie dazu am Besten einen Ayurvedischen Zungenschaber. Diese gibt es für relativ wenig Geld in verschiedenen Materialien zu kaufen. Zu Beginn können Sie auch einfach einen großen Löffel benutzen.

Schaben Sie den Belag sanft vom hinteren Gaumenbereich bis zur Zungenspitze mit einem speziellen Zungenreiniger oder einem Löffel ab. Wiederholen Sie dies zwei bis drei Mal, keines Falls öfters und reinigen Sie anschließend auch Ihren Zungenschaber.

Mundspülung mit Sesamöl

Durch eine Spülung mit hochwertigem Sesamöl werden die Gift- und Abfallstoffe aus der Mundschleimhaut gelöst und abtransportiert. Die Tradition des Ölziehens findet sich nicht nur im Ayurveda, auch die Griechen empfehlen dies. Selbstverständlich mit griechischem Olivenöl! Das Ölziehen – Fachsprache: Gandusha – stärkt unser Immunsystem und unsere Selbstheilungskräfte, indem es die Speicheldrüsen und damit die Bildung von Eiweißkörpern anregt.

Nehmen Sie einen Esslöffel Sesamöl  in den Mund, ziehen Sie dieses Öl etwa zwei bis drei Minuten langsam durch die Zähne. Am Anfang wird Ihnen diese Prozedur eventuell schwer fallen. Meine ersten Male konnte ich das Öl nur wenige Sekunden im Mund behalten, bevor mich ein Würgereiz überkam und ich das Öl schnell entsorgen musste. Testen Sie verschiedene Öle und entscheiden Sie ob sich dieses Öl für Sie  „gut“ anfühlt. Beginnen Sie mit einer kurzen Zeit und steigern Sie langsam die Zeit. Ihr Körper wird sich schnell daran gewöhnen. Sie können das Öl auch gurgeln und so die Mandeln reinigen. Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie das Öl nicht schlucken! Spucken Sie anschließend das gesamte Öl in ein Papiertaschentuch aus. Es sollte nun weißlich-schaumig sein. Spülen Sie anschließend den Mundraum sorgfältig mit warmen Wasser aus, und putzen Sie die Zähne wie gewohnt.

Zungenreinigung und Ölziehen haben einen sehr positiven Einfluss auf unsere Gesundheit im Allgemeinen und die Zahngesundheit im Speziellen. Parodontose, Karies und andere dentale Erkrankungen können damit vermieden werden.

Nasenspülung

Vor allem für Menschen mit viel KAPHA – erkennbar z.B.  an häufigen Infekten der Atemwege – ist die tägliche Nasenspülung äußerst empfehlenswert. Die Nasenspülung oder -dusche wird im Ayurveda NETI genannt. Sie benötigen dazu ein ayurvedisches Nasenspülkännchen oder eine Nasendusche, die in Apotheken oder Drogeriemärkten erhältlich sind. Diese Kännchen gibt es in verschiedenen Ausführungen von „schön“. Ich persönlich habe nun einen Kännchen in Form eines Elefanten mit einem langen Rüssel. Seither hat die Nasenspülung auch einen gewissen FUN-FAKTOR erhalten.

Füllen Sie das Gefäß mit lauwarmen Wasser und lösen Sie darin einen Teelöffel möglichst naturbelassenes Salz auf. Zuviel Salz brennt und zu wenig Salz leider auch. Sie werden bald Ihr persönliches Maß feststellen. Beugen Sie den Kopf seitlich über ein Waschbecken, sodass die Ohren übereinanderlegen. Lassen Sie dann das Wasser vorsichtig in das obere Nasenloch einfließen, der Mund ist geöffnet. Wechseln Sie, nachdem ungefähr die Hälfte der Flüssigkeit verbraucht ist, die Nasenseite. Anschließend sollten Sie mehrmals durch die Nase ausatmen, um Schleim und Wasserreste abzutransportieren. Zum Schluss benetzen Sie die Nasenlöcher sanft mit einigen Tropfen Sesamöl.

Wenn Sie täglich die Zungenreinigung, das Ölziehen und die Nasenspülung durchführen, haben Sie schon mal viel für Ihre Gesundheit getan. Wenn Sie morgens etwas mehr Zeit zur Verfügung haben – zum Beispiel am Wochenende-, können Sie dieses wunderbare Reinigungs- und Wohlfühlprogramm noch erweitern.

Körper einölen und massieren

Um unseren Körper bei der Reinigung zu unterstützen, ist eine Selbst-Massage am Morgen fester Bestandteil des ayurvedischen Reinigungsrituals.  Die Massage ist nicht nur für den Körper, sondern auch für Geist und Seele eine wahre Wohltat. Versuchen Sie sie daher möglichst oft in Ihre tägliche Routine zu integrieren. 

 

Der Garshan-Handschuh

Insbesondere während der Entschlackung sollten Sie die tägliche Trockenmassage mit dem Rohseidenhandschuh – Garshan – durchführen. Sie stimuliert den Kreislauf und die Durchblutung des Bindegewebes, aktiviert den Lymphfluss und fördert den Abbau von Ama und abgestorbenen Hautpartikeln. Massieren Sie im Bereich der Gelenke kreisförmig, bei den Knochen mit Auf- und Ab-Bewegungen („Streichen“).

Haben Sie keinen Garshan Handschuh, können Sie die Massage auch mit einer Bürste durchführen. Dabei sollte die Bürste aber nicht zu hart sondern eher weich sein. Es wird sich eine leichte Rötung der Haut zeigen und eventuell beginnen Sie auch leicht zu schwitzen. Dies ist ein gutes Zeichen und beweist, dass der Stoffwechsel nun aktiviert ist.

Ölmassage

Nach der Trockenmassage können Sie eine Ölmassage –  Abhyanga – anschließen. Abhyanga heißt so viel wie umstreichen, liebkosen. Es ist quasi ein Liebesdienst an sich selbst. Dabei massieren Sie am Besten ein auf Ihr Dosha abgestimmtes Körperöl – alternativ auch Sesamöl-, Leindottersamen- oder Mandelöl in den Körper von Kopf bis Fuß ein. Lassen Sie anschließend das Öl – möglichst 20 Minuten – einwirken und duschen Sie sich dann warm ab. Durch das Öl werden Toxine gebunden und gelöst. Die Massage kurbelt den Stoffwechsel und das gesamte Herz-Kreislauf-System an. Auch das Hautbild verjüngt sich.

Lungenreinigung

Mit der Lungenreinigung Kapalabhati aus dem Yoga reinigen Sie ihre Atemwege und versorgen Ihren Körper mit Sauerstoff und Energie. Wenn wir gestresst sind, atmen wir in der Regel deutlich zu flach. Die Feueratmung – Kapalabhati – führt den Atem tief in den Bauchraum und massiert zeitgleich die dortigen Organe.

Setzen Sie sich dazu bequem im Schneidersitz auf ein Kissen oder eine Decke. Die Wirbelsäule sollte aufgerichtet, der Kopf gerade das Kinn leicht zum Brustkorb geneigt sein. Die Hände liegen locker auf den Knien. Sollten Sie nicht auf einem Kissen am Boden sitzen können, setzen Sie sich auf einen Stuhl. Wichtig ist der gelängte und gerade Rücken.

Schließen Sie die Augen, und atmen Sie einige Male tief durch die Nase ein und aus, versuchen Sie, dabei tief in den Bauch zu atmen. Spüren Sie, wie sich die Bauchdecke beim Einatmen wölbt und beim Ausatmen wieder abflacht.

Atmen Sie beginnend noch mal tief ein, und konzentrieren Sie sich ab jetzt etwa 20 Atemzüge nun nur noch auf das stoßartige Ausatmen durch die Nase. Der Bauch schnellt dabei zurück. (Als versuchten Sie einen Flaum durch die Ausatemluft von Ihrer Nasenspitze zu blasen.) Die Einatmung erfolgt automatisch und sollte nicht aktiv geschehen. Vielleicht kennen Sie ja einen Yogalehrer, der Ihnen diese Technik nahe bringen kann. 

Atmen Sie abschließend ein- ins zweimal normal ein und aus. Dann atmen Sie bequem ein und füllen die Lungen zu etwa drei Vierteln. Halten Sie nun die Luft für etwa 20 Sekunden an. konzentrieren Sie sich auf den Punkt zwischen Ihren Augenbrauen, und visualisieren Sie Ihre Wirbelsäule als Lichtkanal.

Atmen Sie dann einige Male normal ein und aus, und machen Sie dann noch ein bis zwei Kapalabhati-Runden. Spüren Sie zum Abschluss einige Momente nach.

Idealerweise führen Sie diese Übung sofort morgens nach den Reinigungsritualen durch. Sie versorgt Sie mit ausreichend Energie für den Tag!

Das dritte Chakra

Fast alle Heilsysteme der Welt kennen verschiedene Punkte oder Zentren am Körper, die für die Gesundheit des Organismus besonders wichtig sind, da von dort aus Energie aufgenommen und verteilt wird. Im Ayurveda heißen diese Energie- oder Bewusstseinszentren Chakren. Es werden sieben Hauptchakren unterschieden, die entlang der Wirbelsäule angeordnet sind und verschiedene Themen und Körperfunktionen entsprechen. Das für die Verdauung und Reinigung besonders wichtige Chakra ist das Dritte. Es befindet sich direkt oberhalb des Bauchnabels. Magen, Leber, Dünndarm, das vegetative Nervensystem und die Bauchspeicheldrüse lassen sich mit Mantren (Laute oder Wörter) sowie speziellen Yogaübungen aktivieren.

Mantra für das dritte Chakra

Das bekannteste Mantra ist „OM“. Es gilt als Urlaut, der allen Klängen zugrunde liegt. Ayurveda geht davon aus, dass durch die Schwingungsfrequenzen, die beim Tönen eines Mantra entstehen, die Energiezentren des Organismus auf allen Ebenen aktiviert werden können. Der Laut, der dem dritten Chakra – Manipura – zugeordnet wird, ist RAM. Zudem werden die Farbe Gelb und das Element Feuer zugewiesen. 

RAM

Das Tönen eines Mantra hilft Ihnen dabei, im Rahmen einer Reinigungs-Meditation Ihre Gedanken auf den Moment und eine spezielle Körperregionen zu fokussieren.

ICH LADE SIE DAZU EIN, DIESES RITUAL EINMAL AUSZUPROBIEREN. Sie sitzen dabei mir aufgerichteter Wirbelsäule im Schneidersitz und intonieren das RAM und konzentrieren sich dabei  auf das dritte Chakra und die ihm zugeordnete Farbe Gelb. Führen Sie dies etwa eine Minute durch. Erwarten Sie nichts, bleiben Sie innerlich gelassen und offen. Sie müssen dabei nicht an eine Wirkung glauben – spüren Sie einfach, was sich in Ihrem Organismus verändert.

Es gibt einige Yoga-Übungen, mit denen Sie das dritte Chakra und damit speziell die Darm- und Bauchorgane anregen können. Versuchen Sie, sie mehrmals in der Woche in Ihre morgendliche oder abendliche Routine zu integrieren.

Vorwärtsbeuge

Setzen Sie sich in den Langsitz. Der Oberkörper ist aufgerichtet. Die Beine liegen nebeneinander, die Zehen zeigen zum Körper. („Zehen zur Nase“)

Strecken Sie beim Einatmen die Arme nach oben aus, und kommen Sie beim Ausatmen mit den Oberkörper nach vorne zu den Schienbeinen. Der Rücken bleibt gerade, die Hände umfassen anschließend die Waden, Knöchel oder Fußspitzen. Es richtet sich nach Ihren Möglichkeiten, erzwingen Sie nichts!

Der Blick ist zu den Knien gerichtet, Kopf und Nacken sind entspannt. Atmen Sie durch die Nase tief ein und aus, spüren Sie, wie der Bauch beim Einatmen die Oberschenkel berührt. Lassen Sie bei jedem Ausatmen etwas mehr los.

Halten Sie die Position etwa ein bis zwei Minuten und kommen Sie dann langsam wieder aus der Sitzhaltung. Spüren Sie einige Momente nach, was sich in Ihnen verändert hat.

Kobra

Kommen Sie in Bauchlage zum Liegen. Die Beine sind geschlossen, der Fußrücken liegt ebenfalls auf der Erde. Legen Sie den Kopf mit der Stirn auf die Unterlage. Positionieren Sie die Hände flach neben den Schultern, die Ellbogen sind nah am Körper. Bewegen Sie die Schultern von den Ohren weg nach unten und die Schulterblätter bringen sie zueinander.

Spannen Sie nun Beine und Gesäß fest an. Dies soll den unteren Rücken schützen und ist daher wichtig.

Heben Sie beim Einatmen langsam den Kopf und den Brustbereich mit der Kraft des Nackens an, zuerst Stirn, dann Nase und Kinn). Spüren Sie inwieweit dies für Sie angenehm ist. Drücken Sie den Unterbauch fest in die Erde. Dadurch werden die Bauchorgane massiert.

Halten Sie die Position circa 20 bis 30 Sekunden und kommen Sie dann langsam wieder aus der Haltung heraus. Spüren Sie nach und wiederholen Sie die Übung, wenn es sich für Sie richtig anfühlt.

 

Wiederholen Sie alles so oft es Ihnen möglich ist und integrieren Sie diese Rituale in Ihr tägliches Leben. Es wird eine wahre Bereicherung werden und die positiven Effekte werden sich bald einstellen! Ich bin ganz zuversichtlich.

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