AYURNA Praxis für Ayurveda & Naturheilkunde

Blutegel-Therapie

„Blutegel? Das ist altmodische grobe Bauernmedizin, außerdem gar nicht aseptisch, so was verwendet man heute nicht mehr“. So äußerte ich der berühmte Wiener Internist Chvostek gegenüber Aschner bereist in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Doch Aschner führt weiter aus: „“So dachten und denken auch heute (in den fünfziger Jahren) noch zahlreiche Ärzte, wenn auch an manchen Orten und in manchen Fällen z.B. bei Augenleiden und Venenentzündungen die Blutegel allmählich etwas mehr Beachtung in der offiziellen Medizin finden. Viele praktische Ärzte, vor allem Landärzte, das Volk selbst und die exotische Medizin machen bedeutend mehr Gebrauch von diesem überaus nützlichen Hilfsmittel.“

 

Lebendige Medizin

Der therapeutische Einsatz von Blutegeln (Hirudo medicinalis officinalis) gehört zu den ältesten dokumentierten naturheilkundlichen Ausleitungsverfahren. Dies sind Verfahren, die durch Schaffung einer künstlichen Öffnung dazu beitragen, dass der Körper schädigende Stoffe ausschwemmen kann. In Europa erstmals um 200 v. Chr. erwähnt, erlebt die Methode derzeit eine Renaissance in Heilpraktikerpraxen, aber auch in der Chirurgie.

Wirkmechanismen

Das Wirkspektrum des Blutegels beruht im Wesentlichen auf zwei Faktoren: Zum einen kommt der geringe Blutverlust einem sanften Aderlass gleich. Er führt zu einer lokalen Entstauung des Gewebes, wirkt blutverdünnend, entzündungshemmend und leitet Toxine und Stofwechselprodukte aus.

Zum anderen finden sich im Speichel des Blutegels über 20 verschiedene Substanzen unterschiedlichster Wirkung und Wechselwirkung, darunter die Blutgerinnungshemmer Hirudin und Calini sowie das schmerzstillende und entzündungshemmende Eglin.

Anwendung

Abhängig von der Erkrankung und der Größe des zu behandelnden Gebiets kommen 2 bis max. 12 Egel zum Einsatz. Die ca. 2 bis 4 cl langen Egel werden direkt auf die Haut gesetzt, der Biss ist dank eines im Speichel des Blutegels enthaltenen Schmerzmittels i.d.R. schmerzlos. Die Egel fallen von alleine wieder ab, wen sie isch vollgesogen haben. Das kann zwischen 10 und 120 Minuten dauern, der Blutverlust pro Egel beträgt ca. 10 ml.

Tag der Behandlung

Die Blutegel-Behandlung dauert in der Regen 1 1/2 – 2 Stunden. Vor der Behandlung die Haut nur mit klarem Wasser waschen und keine Duftstoffe verwenden, da die die Egel sehr empfindlich sind. Der Egel wird an der gewünschten Stelle angesetzt, man spürt zu Beginn ein leichtes Brennen, vergleichbar mit dem einer Brennnessel.

Im Anschluss an die Behandlung kommt es zu einer therapeutisch gewünschten Nachblutung. Die Stärke der Nachblutung ist individuell verschieden 8 ca. 20 – 40 ml je Bissstelle) und kann zwischen vier bis vierundzwanzig Stunden dauern. Die Wunde wird mit einem Druckverband versorgt. Die Extremität sollte hochgelagert und nicht belastet werden. Es kann zu Juckreiz kommen (bitte nicht kratzen! Superinfektionsgefahr!). Desweiteren kann es zur Verfärbung der Hautstellen und bleibender kleiner Narbenbildung kommen. Nach längstens einer Woche ist die Wunde verheilt.

Desweiteren kann es zur Verfärbung der Hautstellen und bleibender kleiner Narbenbildung kommen.

Sie sollten bequeme Kleidung tragen und nach der Behandlung sollten Sie ausreichend Flüssigkeit trinken. Es kann sinnvoll sein, sich nach der Behandlung abholen zu lassen.

Häufigkeit der Anwendung

Die Häufigkeit der Anwendung richtet sich nach dem Therapieerfolg, der sich oft schon nach der ersten Anwendung einstellt. Frühestens nach vier Wochen kann an der behandelten Stelle eine erneute Behandlung erfolgen.

Indikationen

Die Blutegel-Therapie hat sich besonders bewährt bei folgenden Indikationen:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats: Arthrosen (v.a. Gonarthrose, Sprunggelenkarthrose), Tendinitis, Arthritis, Rheuma (z.B. Tennis/ Golferellbogen und Schleimbeutelentzündungen). Gelenksbeschwerden aller Art (auch posttraumatisch, nach OP). Durch Studien belegte Indikationen sind Gonarthrose, Rhizarthrose, Tendovaginitis.
  • Wirbelsäulen/ und Kreuzbeinsyndrom
  • Venöse Erkrankungen: chronisch-venöse Insuffizienz, Phlebothrombose und Thrombophlebitis, Hämorrhoidalleiden
  • Infektionskrankheiten und Infektionen: Otitis media acuta et chronica, Mastoiditis, Herpes Zoster
  • Tinnitus
  • Hypertonie (Bluthochdruck) und Präapoplex
  • Gichtanfall
  • wenn ein Aderlass indiziert wäre, aber technisch unmöglich oder energetisch falsch wäre.

Ehedem war die Indikationsliste wesentlich unfangreicher. Neben Migräne, Kopfschmerzen und Vertigo wurden auch Meninigitis, Commotio, Epilepsie und Psychosen zu den Behandlungsindikationen im Kopfbereich gezählt. Fernerhin sind u.a. die Verhütung und Heilung von Sinusvenenthrombosen erwähnt….

Risiken und Nebenwirkungen

In seltenen Fällen kann es zu Infektionen kommen, wie bei jedem Eingriff, bei der die Haut verletzt wird.

Eine Allergie auf die Wirkstoffe ist im Vorhinein nie auszuschließen, da dies keine Komplikation darstellt, ist diese mit der Gabe eines Antihistaminikums (z.B. Fenistil), Ruhigstellen der entsprechenden Extremität und Kühlung schnell behoben.

Es kann zu kleinen Narben bzw. Pigementveränderungen kommen. Aus hygienischen Gründen werden Blutegel grundsätzlich nur einmal verwendet.

Kontraindikationen für die Blutegeltherapie stellen dar:

  • hämorrhagische Diathese
  • AVK, diabetische Mikroangiopathie
  • Blutverdünnend wirkende Medikamente: Marcumar, Heparin, Clopidoregel, Aspirin
  • Hauterkrankungen an den Applikationsorten, Wundheilungsstörungen
  • Evtl. schwere Immunsuppression
  • Überempfindlichkeit oder Allergie auf Hirudin (eher selten)

Hygienisch und kontrolliert

Die in der AYURNA Naturheilpraxis verwendeten Blutegel werden speziell für medizinische Zwecke unter strengen hygienischen Voraussetzungen gezüchtet (siehe Link: Blutegel.de). Jeder Egel wird nur ein einziges Mal angesetzt, so dass die Übertragung von Infektionen sicher vermieden wird.

Zusammenfassend wirkt die Blutegel-Therapie

  • gerinnungshemmend und ausleitend
  • lymphstrombeschleunigend und entschlackend
  • blutverdünnend und antithrombotisch
  • indirekt immunstärkend
  • gefäßkrampflösend und schmerzstillend

Der Biss eines Blutegels ist in der Regel schmerzlos, es kann aber zu – therapeutisch erwünschten – Nachblutungen (siehe Tag der Behandlung) kommen, die einige Zeit andauern können. An der Bissstelle kann längere Zeit eine kleine Narbe zurückbleiben.

In seltenen Fällen treten örtlich begrenzte allergische Reaktionen auf (Rötung, Juckreiz). Ein Erysipel (Wundrose) oder eine Entzündung nach dem Biss sind sehr selten.

Informationen zur Therapie

Die Blutegeltherapie eignet sich für die Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen. Trotzdem kommt Sie nicht für jeden Patienten gleichermaßen in Frage, so z.B. nicht für Patienten, die blutverdünnende Medikamente (z.B. Marcumar, ASS) nehmen, bei arteriellen Verschlusskrankheiten, Blutungsneigung, Diabetes Mellitus, Hauterkrankungen im Bereich des zu behandelnden Gebiets u.a.

Sprechen Sie mich an – Ich berate Sie schon im Vorfeld gerne umfassend. Nutzen Sie dazu vielleicht den Termin „Kostenloses Kennenlern-Gespräch“ 20 Minuten. 

Muster Vorinformation zur Blutegeltherapie

Ein nettes Video über die Blutegel-Therapie

Lokale symptomatische Behandlungen

Durch ihre nachgewiesene schmerzlindernde, lokale symptomatische Wirkung ist die Blutegeltherapie stärker gefragt. Meistens wird nach einer Behandlung für eine bestimmte Beschwerde gefragt, z.B. Kniearthrose oder Varizen. Es wird eine rasche Linderung der Leiden durch das Ansetzen der Blutegel an der schmerzenden Stelle erwartet und meist nicht auf eine ganzheitliche Behandlung eingestellt. Eine ganzheitliche Behandlung erfordert mehrere Sitzungen, ist kostspieliger und braucht Geduld.

Fast alle Patienten erwarten „nur“ eine lokale Behandlung. Je nach Anamnese und Krankheitsbild ist ein individuelles Behandlungskonzept zu entwickeln und sich auf einer eventuell längeren notwendigen Therapie einzustellen. Es gibt einige Indikationen, die systemisch behandelt werden sollten, um durchgreifende Heilerfolge zu erreichen.

Systemische Basisbehandlungen

Bei der Blutegeltherapie sollte – wie generell in der Naturheilkunde – der Gesamtzustand des Patienten betrachtet werden. Die Kunst einer guten Behandlung besteht darin, sich von rein symptomatischen Konzepten zu lösen. Die Blutegeltherapie ist eine sehr effektive Ausleitungsmethode, die über das Kapillarbett in das System der Grundregulation eingreift. Außer dem arteriellen und venösen Schenkel werden auch die Lymphkapillaren in die Reaktion auf den Blutegelbiß einbezogen.

Im Unterschied zu lokalen symptomatischen Behandlungen mit bis zu 10 Blutegeln und wenigen Therapiesitzungen werden chronische Pathologien mit weniger Egeln je Sitzung und häufiger in Zyklen behandelt. Die Erfahrung zeigt, dass die Nachblutungen bei kurzen Therapieabständen stark nachlassen. Somit tritt hier der Aderlass-Effekt in den Hintergrund, während die biologischen Wirkungen des Blutegelspeichels zunehmen.

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