Das Märchen der Wegwurzel

Es war einmal vor langer Zeit eine Prinzessin, die hatte einen Liebsten, der so schön war wie kein anderer. Doch ihr schöner Prinz verließ sie, er stieg auf ein Pferd, ritt die Straße hinunter gen Osten und ward nicht mehr gesehen. Die Prinzessin war so traurig, sie wollte am liebsten sterben, und dann doch wieder nicht sterben, denn sie hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Jeden Morgen glaubte sie von neuem daran, dass er wieder zu ihr zurückkäme. Alle ihre Kammerzofen trauerten mit ihr, und schließlich erbarmte sich der liebe Gott im Himmel dieser traurigen Schar und verwandelte alle in schöne Blumen am Wegesrand, damit sie dort immer Ausschau nach ihm halten können. Die Prinzessin wurde eine weiße und die Zofen wurden blaue Wegwarten. Da stehen sie nun alle am Wegesrand und schauen nach Osten zur aufgehenden Sonne. Sie drehen und wenden sich, und sobald die Sonne untergegangen ist, lassen sie die Köpfe enttäuscht hängen. Doch schon am nächsten Morgen schauen neue Blüten zur Sonne.

Sie stehen noch heute da am Wegesrand, die schönen blauen Wegwarten und ab und zu eine weiße. Sie gehören noch immer zu den Wegbegleitern der Wanderer und Reisenden und weisen mit ihren Blüten zur Sonne.

Sie stehen am liebsten am Wegesrand, wie der Breitwegerich und der Beifuß. Der kleine dunkle Breitwegerich und der stolze, hoch gewachsene Beifuß bieten ihre Hilfe dem Wanderer bei körperlichen Leiden an.

Seit der Romantik, die der Blauen Blume so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, ist es noch einsamer um die Wegwarte geworden, und wäre sie nicht mit der kultivierten Zichorie, einem wichtigen Kaffeeersatzmittel, verwandt, hätte man sie ganz vergessen.

 

Ganz vergessen ist sie sicherlich nicht

Ganz vergessen ist die Wegwarte heute sicherlich nicht. In alten Zeiten galt sie als eine germanische Zauberpflanze, von der gesagt wird, dass man beliebter wird und leichter erreicht, was man sich wünscht, wenn man sich mit dem Saft des Krauts oder der Wurzel einreibt. Die weiß blühende Wegwarte gehört zu den „Wunderblumen“, die nur von einem Sonntagskind gepflückt werden sollen. Immerhin handelt es sich ja bei der Weißen Wegwarte um eine Prinzessin.

Mit ihren blauen Blütenaugen folgt die Wegwarte dem Weg der Sonne vom Aufgang bis zur Mittagszeit. Früher schloss sie genau um 11 Uhr die Blüten wieder, heute irritiert offensichtlich die Verschmutzung der Luft die innere Uhr der Pflanze so sehr, dass sie ihre Blüten erst im Lauf des Nachmittags schließt.

Wie alle blau blühenden Pflanzen gehört die blaue Wegwarte zu den Heilern einer kranken Seele. Doch die heilerischen Eigenschaften der Pflanze sind nicht zu verachten:

  • Die Wegwarte ist eine Einschleuserpflanze für Kalium. Dort wo der Körper Schwierigkeiten damit hat, Kalium aufzunehmen, springt diese Pflanze ein, sie bereitet den Weg, die Einbauschwierigkeiten werden gelöst bzw. verhindert.
  • Bei Beschwerden, die durch Stoffwechselstörungen verursacht sind, wie Blähungen oder Kopfschmerzen, ist der Tee ein bitteres Kräftigungs- und ANregungsmittel. Eine Mischung mit Löwenzahn regt Leber und Nieren zu verstärkter Tätigkeit an und ist ideal für eine Frühjahrskur.
  • Tee aus Wurzeln oder Blättern ist ein Anregungsmittel bei Appetitlosigkeit, Leberkrankheiten, Gallenbeschwerden und Stoffwechselstörungen. Wegwarte ist das beste volksheilkundlich gebrauchte Mittel für die Heilung der Milz und der gesundheitlichen Probleme, die sich durch gestörte Milzfunktion ergeben. Nicht zu vergessen die Auswirkung auf den Gemütszustand: Der Genuss der bitteren Wegwarte führt meistens zu einer gelösteren Stimmung und besserer Laune.
  • Für eine postive Auswirkung auf die Bauchspeicheldrüse stellt man den Frischsaft aus der ganzen Pflanze her und nimmt täglich etwa 2 Teelöffeö davon (sehr bitter).
  • Man kann Wegwarte je nach Geschmack mit Löwenzahn, Tausendgüldenkraut oder Pfefferminze vermengen, auch Kletterwurzel, Mariendiestel und Erdrauch sind möglich. Diese Teemischungen (immer nur 3 Kräuter mischen) kurmäßig, also etwa 2 Wochen, trinken. Man erreicht eine Verbesserung stoffwechselbedingter Probleme wie manche Kopfschmerzen, Hauterkrankungen, Blähungen und Darmtätigkeit.
Verwandete unserer Küche

Wie bereits oben erwähnt, hat die Wegwarte einige Verwandte in unserer Küche. Chicorée, Zuckerhut (Fleischkraut) und Radicchio sind Zuchtformen der Wegwarte, auch die Endivie ist eine enge Verwandte. Von der Urmutter Wegwarte haben diese feinen Salate heilsame Bitterstoffe mitgenommen und lassen sie sich auch nicht austreiben. Chicorée wurde um 1850 durch Zufall von belgischen Bauern entdeckt. Für ihren Winterkaffee hatten sie Wegwartewurzeln im Keller eingelagert. Diese Wurzeln beginnen zu sprossen und daher heißt dieses Sprossengemüse auch heute noch „Brüsseler Salat“.

Radicchio ist ein sonnenhungriger Verwandter, der zum Modesalat geworden ist. Er liebt mildes Klima und hat sich auf dem Grill oder als dekoratives Beiwerk zu Risotto oder zum kalten Büffet einen festen Platz auf unserer Speisekarte erworben.

Fleischkraut oder Zuckerhut hat von der Wegwarte außer den Bitterstoffen vor allem die Frosthärte übernommen. Man kann ihn noch ernten, wenn es draußen Minusgrade hat, er wird dadurch sogar milder im Geschmack. Die Endivie ist etwas empfindlicher, auch noch hart im Nehmen. Auch sie kann man is zu – 4 Grad noch ernten, erst dann kommt sie über den Winter mitsamt den Wurzeln in den Keller.

Allen gemeinsam ist der Gehalt an essanziellen Spurenelementen wie Eisen, Selen, Zink, Vorstufen von Vitamin A, B-Vitaminen, viel Folsäure, Vitamin C, Inulin und Intibyn, das ist der Bitterstoff. An der Universität jena hat man herausgefunden, dass diese Küchenverwandeten der Wegwarte viele postive Effekte auf unseren Körper besitzen. Alle stärken die Darmzellen und die krebsabwehrenden Bakterien. Sie unterstützen deren ständigen Abwehrkampf gegen Entartung und Schadstoffe, der wichtige Helfer ist das enthaltene Inulin.

 
Nicht nur in der Küche

Wegwarten sind auch außerhalb der Küche gut einsatzbar. Wegwarten wirken innerlich und äu0erlich angewandt reinigend auf die Haut. Eine äußerliche Behandlung unreiner Haut sollte aber immer mit einer innerlichen, blutreinigenden Teekur verbunden werden. Die Wegwarte kann als Kompresse oder Gesichtswasser verwednet werden. Auf 2 Tassen Wasser gibt man 2 Teelöffel der Wurzeln, lässt sie 10 Minuten kochen und fügt dann einige Wegwartenblüten hinzu. Nach etwas ziehen lassen, dann abseiehen. Diesen Tee als Gesichtswasser verwenden oder eine Kompresse darin tränken und auf das Gesicht legen. Ca. 15 Minuten einwirken lassen. Falls die Haut entzündet ist, gibt man mit den Blüten noch etwas Breitwegerichblätter hinzu. Diese beruhigen und desinfizieren.

Anbau

Die Wegwarte ist eine ausdauernde, anspruchslose Pflanze. Sie eignet sich auch zum Einsäen in die Wiese. Will man die Wurzeln ernten, sollte man sie in tiefgründigen, nahrhaften Boden pflanzen. Die Aussaat sollte erst Mitte Mai erfolgen, da sie frostempfindlich ist, später auf 20 cm vereinzeln. Die Wurzeln werden im Spätherbst geerntet. Die Samen behalten viele Jahre ihre Keimfähigkeit.

Im Herbst kann man die Wurzeln ausgraben und im Keller aufbewahren. Im Frühjahr in eine Kiste Sand gesetzt, beginnen sie zu treiben. Die hellgrünen Blätter ergeben einen sehr feinen Salat.

 

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