Adrian Stemmer

Entsäuerung

Übersäuerung ist nicht nur ein umweltspezifisches, sonder auch ein medizinisches Thema. Während die Übersäuerung des Menschen schulmedizinisch vorrangig nur in der Nephrologie, der Pulmonologie und der Intensivmedizin behandelt wird, ist die Übersäuerung aus biologisch-naturheilkundlicher Sicht ein pathogenetischer Faktor für Abbau- und Abnützungserscheinungen sowie für allergische Erkrankungen. Es ist ein biologisch-mathematisches Problem, ob die Säuren gänzlich zur Ausscheidung kommen oder ob der Körper gezwungen ist, die nicht ausgeschiedenen Säuren in Form von Salzen zu deponieren.

Dr. Michael Worlitschek

Übersäuerung bezeichnet im Volksmund eine vermeintlich überhöhte Säurebelastung des Körpers, die nicht einer „Echten Übersäuerung“ (Azidose) verwechselt werden darf.

Bei einer Übersäuerung im umgangssprachlichen Sinn handelt es sich um ein Erklärungsmodell für einen vermehrten Anfall von Säuren im Körper. Eine echte Übersäuerung findet dabei nicht statt. Dafür gibt es ein ausgeklügeltes System im Körper, den Säure-Basen-Haushalt. Und dieser sorgt dafür, dass ein gesunder Mensch weder in eine Azidose (echte Übersäuerung) noch in eine Alkalose (Basenüberschuss) gleitet.

Die Naturheilkunde geht davon aus, dass es durch den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, Stress oder andere Belastungen zu einer erhöhten Säurebildung im Körper kommt.

Eiweiß (bestehend aus Aminosäuren) kann Säure-Probleme verursachen. Dabei wirken sich tierische Eiweiße durch den zusätzlichen Gehalt an Phosphor-und Schwefelsäuren schlechter aus als pflanzliche. Das könnte ein Grund sein, dass Vegetarier häufig gesünder sind als Fleischliebhaber.

Auch Zucker (im Stoffwechsel als Glucose verbrannt), kann zum Säurebildner werden. Nämlich dann, wenn nicht genügend Sauerstoff für die Verbrennung vorhanden ist (zum Beispiel bei Lungenerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Problemen). Das Phänomen kennen wir aus dem Sport. Steht bei starker körperlicher Belastung nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung, entsteht in der Muskelzelle Laktat. Und Laktate sind Salze der Milchsäure, sie übersäuern also den Muskel.

Übersäuerung und Freie Radikale

Übersäuerung soll – laut Aussagen einiger Experten – die Bildung von sogenannten freien Radikalen begünstigen. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen stehen im Verdacht, die Tätigkeit von Enzymen und die Verwertung der Vitalstoffe aus der Nahrung einzuschränken. Außerdem sollen sie die Zellen schädigen.

Viele Naturheilkundler und einige Mediziner machen die Übersäuerung für eine große Anzahl von Folgen von Magen-Darmbeschwerden über rheumatische Erkrankungen bis zu Arteriosklerose verantwortlich. Die Naturheilkunde sieht ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Krebs. Wissenschaftlich bewiesen ist das allerdings nicht.

Symptome

Ohne Säure (z. B. Salzsäure in unserem Magen oder im Scheidenmilieu) funktioniert unser Organismus nicht richtig. Überschüssige Säuren jedoch können sich im Bindegewebe und gelenknahen Gewebe einlagern, was landläufig fälschlicherweise als Schlacken bezeichnet wird. Einige Mediziner machen sie für Verspannungen oder gar für rheumatische Beschwerden verantwortlich.

Allgemeinsymptome auf eine Übersäuerung zurückzuführen sind:

  • Antriebsschwäche, rasches Ermüden
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • Immunschwäche
  • Schmerzen und Verspannungen
  • Cellulite
  • fahle Haut, Hautunreinheiten, Akne
  • Haarausfall, brüchige Haare.

Ursachen

Für eine Übersäuerung (im landläufigen Sinn) gibt es nachweislich keine Ursachen. Es hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass eine Übersäuerung vor allem als Folge psychischer Belastungen und durch eine Ernährung mit stark säurebildenden Nahrungsmitteln entsteht. Ferner sollen Alkoholgenuss, Rauchen und bestimmte Medikamente eine Übersäuerung begünstigen.

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