AYURNA Praxis für Ayurveda & Naturheilkunde

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Ganz schön bitter

Bitter ist eine Geschmacksache. Spätestens seit der „Höhle der Löwen“ ist der bittere Geschmack wieder in die Aufmerksamkeit gerückt. In dieser Sendung haben Andre Sierek und Jan Stratmann Ihr Produkt „BitterLiebe“ vorgestellt und erklärt, dass die Geschmacksrichtung bitter für unser Wohlbefinden sehr wichtig ist. 

Eine  weitere Kräutermischung ist  die Heidelberger Bitterstern-Mischung, auch Heidelberger Sieben Kräuter genannt. Lange habe ich gedacht, dass die Stadt Heidelberg namensgebend für diese Mischung sei. Doch dem ist nicht so!

Die Mischung trägt den Namen von Bertrand Heidelberger, einem deutschen Pflanzen- und Naturheilkundler. Er lebte von 1845 bis 1925. Er mischte die berühmte Heidelberger sieben Kräuter Mischung und hat sie als Vermächtnis der Nachwelt zur Verfügung gestellt. Es ist das Ergebnis einer über 50-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Naturheilkunde. Er beobachtete, dass die Krankheiten sich schon von Jugend an auf verschiedenste Art entwickeln und erkannte, dass zu viel und zäher Schleim Auslöser mancher Krankheiten sei. In erster Linie sei es die Entwicklung des Schleims, welcher bei der Aufnahme der Nahrung den Magen und die Nieren zuerst verunreinigte und dann nach und nach alle inneren Organe in Mitleidenschaft ziehe. Dann gehe der Schleim ins Blut über, welches dadurch an Wärme verliere und die Blutzirkulation störe.

Betrand Heidelberger hat festgestellt, dass seine Zusammenstellung von 7 Kräutern, bei denen der Wermut und die schwefelhaltige, bitterwürzige Schafgarbe, Wacholder, Fenchel, Anis, Kümmel und Bibernelle schleimlösende und schleimauscheidene Wirkungen haben, ihm erfolgreich halfen.

Jedes einzelne der 7 Kräuter ist ein wahres Wunder an Heilkraft und Wirksamkeit. Vor allem kann sich das intensive Zusammenwirken und Zusammenklingen der verschiedenen Bitterstoffe der 7 Kräuter auf den ganzen Körper heilbringend und positiv auswirken. Durch die tägliche Einnahme seines speziellen Kräuter-Pulvers konnte er den täglich sich bildenden Schleim in seinem Körper lösen und sein Blut bis ins hohe Alter gesund erhalten.

Wie ist dieses zu viel an Schleim zu verstehen?

Wenn Heidelberger der Meinung war – ein zu viel an  Schleim führt zu massiven gesundheitlichen Problemen -, dann ist dies eine Sichtweise aus der Humoralpathologie geprägt. Die Humoralpathologie hat viele große Heiler  – wie zum Beispiel Galen, Avicenna, Hildegard von Bingen – im Laufe der Geschichte beeinflusst und erst in der modernen Medizin ihre Bedeutung verloren. Sicherlich ist manches aus der 4-Säfte-Lehre heutzutage widerlegt, doch ein gewisser Kern bleibt bestehen.

Schleimhäute und Schleim haben in unserem Körper vielfältige wichtige Aufgaben. Zuerst ist die Schutzfunktion zu nennen. Die Schleimhäute schützen vor Austrocknung, schützen die Magenschleimhaut vor der aggressiven Magensäure, binden Bakterien, Staubpartikel und sonstige Fremdstoffe im Körper. Neben der Schutzfunktion dient der Schleim im Körper zur Bindung und dem Abtransport von Schlacken und anderen Abfallstoffen aus dem Stoffwechsel und der Immunabwehr.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schleim

Auswirkungen des modernen Lebensstils

Unser moderner Lebensstil  – aus zu wenig Bewegung, ungesunde Essgewohnheiten, Fast-Food, sehr stärkehaltige Nahrung – lässt im Körper vermehrt Schleim ansammeln, der nicht mehr abtransportiert und so an verschiedenen Stellen eingelagert wird. Dies beeinträchtigt die Funktion der inneren Organe, unser Blut wird schwerflüssig, die Gelenkigkeit lässt sich, die Immunabwehr geschwächt und der gesamte Stoffwechsel verlangsamt.

Dieser Zustand können wir mit naturheilkundlichen Methoden verdeutlichen: Allein die Betrachtung des Blutes im Dunkelfeld-Mikroskop zeigt hier schon deutlich den aktuellen Zustand des Blutes und weist auf Störungen in den Organfunktionen hin. Die alternative Urindiagnostik nach Schwenk gibt Hinweise auf  Stoffwechsel und Belastungen des Einzelnen. 

Das Stoffwechselprogramm von Gesund + Aktiv nutzt nicht ohne Grund 42 Blutwerte, um einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen. Manch einer oder eine  mag den Plan vielleicht nutzen, um ein paar Pfunde purzeln zu lassen. Doch das eigentliche Ziel dieses Programms ist, das Stoffwechselgeschehen des Einzelnen wieder auf Vordermann zu bringen und zu optimieren. 

Aber nun zurück zur Heidelberger Sieben Kräuter Mischung

Manche dieser Kräuter sind uns bekannt, manche weniger. Diese sieben Kräuter haben eine schleimlösende, entgiftende, heilende und schleimausscheidende Eigenschaft. Heidelberger gab an, dass seine Kräutermischung den Stoffwechsel im Körper positiv beeinfluss, wie zum Beispiel die Funktion der Schilddrüse. Er meinte, dass das Zusammenspiel der sieben Kräuter das Geheimnis dieses Pulvers ist. Denn erst in ihrer gemeinsamen Anwendung, kommen ihre „magischen“ Eigenschaften vollends zur Wirkung.

Die Wirkung beginnt bereits im Mund/ auf der Zunge

Die Bitterstoffe wirken bereits im Mund und regen die Mundschleimhäute zur Arbeit an. Gerade die Wirkung auf unserer Geschmacksorgan Zunge ist wichtig, denn gerade der Sinneseindruck regt die Arbeit der Organe an. Das Pulver in eine Pille zu stopfen – um den bitteren Geschmack zu vermeiden – würde die Wirkung hemmen und wir wissen nicht, ob damit auch noch der Effekt auf unsere Organe bleibt: Magen, Darm, Pankreas, Leber und Galle werden angeregt. Die im Pulver enthaltenen ätherischen Öle wirken auch die Atmungsorgane positiv.

Um das selber dieses Heilpflanzen-Pulver herzustellen, bedarf es nicht viel:

Heidelberger’s 7-Kräuter-Pulver

Zutaten

  • 20 g Wermutkraut 
  • 20 g Anisfrüchte
  • 20 g Schafgarbenkraut
  • 25 g Wacholderbeeren
  • 25 g Fenchelfrüchte
  • 25 g Kümmelfrüchte
  • 45 g kleine Bibernellwurzel

Zubereitung

Alle Heilkräuter müssen getrocknet und zerkleinert werden.

Dann werden alle Kräuter gemischt und im Mörser zu einem Pulver verarbeitet.

Anwendung

Die tägliche Dosis ist 2 x täglich 1 Messerspitze des Pulvers. Eingenommen wird das Heilkräuterpulver pur, in Honig oder in Tee. Wird das Pulver in Tee eingenommen, so darf der Kräutersatz nicht abgefiltert werden, sondern soll zusammen mit dem Tee heruntergeschluckt werden.

Man kann dieses Pulver natürlich auch im Handel kaufen. Ich nutze selbst für mich dazu die Mischung vom Tiroler Kräuterhof.

Die sieben Heilpflanzen des Pulvers im Einzelnen

Anisfrüchte (Pimpinella anisum): Anis ist eine uralte Heilpflanze. Andere Namen für ihn sind auch römischer Fenchel oder süßer Kümmel. Er hat  schleimlösende Eigenschaften, die besonders auf die Atmungsorgane wirken. Daneben hat er eine beruhigende und krampflösende Wirkung bei Koliken. Seinen charakteristischen Geeruch erhält Anis von seinem ätherischen Öl. Die Früchte des Anis regen alle Körperfunktionen an, aktivieren die Herzarbeit, erweitern den Atmungsaustausch und verstärken die Abwehrkräfte des Körpers gegen Infektionen. Anis ist auch besonders wirksam gegen Gasbildung und Blähungen und Verdauungsbeschwerden, zum Beispiel bei Kindern. https://www.netdoktor.de/heilpflanzen/anis/

Kleine Bibernellwurzel (Pimpinella saxifraga): Die Bibernelle ist eine vielseitige Heilpflanze, die sich in ihrer traditionellen Anwendung immer bewährt hat: Sie wird eingesetzt um das Übel aus dem Körper zu vertreiben. Sie hilft bei Verschleimungen der verschiedenen Organe, hilft dem Darm, reinigt das Blut, ist harn- und schweißtreibend. http://www.kraeuterabc.de/kraeuter/bibernelle/

Fenchelfrüchte (Foeniculum vulgare) Fenchel ist dem Anis in seiner Wirkung sehr ähnlich, sowohl in der Wirkungsweise, als auch in den Inhaltsstoffen. Allerdings ist sein ätherisches Öl intensiver auf die Atmungsorgane wirksam. Es besitzt gleichzeitig eine starke Desinfektionskraft, wirkt blähungstreibend, krampfstillend und gärungswidrig. Die Ausscheidung der Magen- und Darmschleimhäute und der Bronchien wird angeregt. Fenchel ist ein wärmendes Kraut und findet seine Anwendung in den Bereichen Verdauungsorgane, Atmungsorgane und hat einen günstigen Einfluss auf die Durchblutung der weiblichen Kleinbeckenorgane. Der Fenchel ist bei Hildegard von Bingen ein wichtiges Mittel. Sie sagt dazu: „Und wie auch immer Fenchel gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich, vermittelt angenehme Wärme (gute Durchblutung). Denn wer Fenchel täglich nüchtern isst, vermindert den üblen Schleim oder die Fäulnis in ihm und er unterdrückt den üblen Geruch seines Atems.“ http://homoeopathie-naturheilkunde.vitanet.de/heilpflanzenlexikon/fenchel

Kümmelfrüchte (Carum carvi): „Für einen kurzatmigen („dämpfigen“) Menschen ist Kümmel gut und nützlich zu essen und gesund – wie immer man davon ißt, weil die Kalorität des Kümmels die verhockten Säfte löst, durch die der Mensch kurzatmig wird und die sich von Schadstoffen (noxi i humores) herleiten, welche die Brust (Atmung) schwer machen, wenn das Herz die Brust (-Organe) nicht mehr erwärmt…“ Hildegard von Bingen über den Kümmel. Die Antike schätze den Kümmel bereits. Die Kümmelsamen gleichen in der Wirkung sehr den Anis- und Fenchelsamen. Hauptsächlich wirksam sind die ätherischen Öle. Sie aktivieren die Verdauung, wirken anregend und erwärmend, beruhigend und krampfstillend. Der Kümmel ist ein zuverlässiges Magenmittel, das Magen und Drüsen anregt, den Darm jedoch beruhigt. Er wirkt ausgleichend auf die Darmflora. https://heilkraeuter.de/lexikon/kuemmel.htm

Schafgarbenkraut (Achillea millefolium): In alten Kräuterbüchern wird die Schafgarbe als „Heil aller Schäden“ bezeichnet. Sie zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Wirkstoffen aus, die vielseitige Anwendungsmöglichkeiten bieten. Sie vor allem blutreinigend, krampflösend und gefäßtonisierend. Sie enthält Bitterstoffe und ätherische Öle. Die Schafgarbe wirkt günstig auf den Kreislauf, regt Stoffwechsel und die Ausscheidung von Giftstoffen an, unterstützt Magen und Darm bei ihren Aufgaben, hilft der Leber bei der Reinigung, tut den Beckenorganen wohl und reguliert durch den hohen Kaliumgehalt das Nieren- Blasensystem.

Wacholderbeeren (Juniperus communis): Bis vor noch ca. 50 Jahren stand vor den meisten Bäuernhäusern ein Wacholderbaum oder -busch. Die Wirkstoffe sind vor allem ätherische Öle und Bitterstoffe. Diese wirken hervorragend als Mittel zum Ableiten über die Nieren zum vermehrten Ausscheiden harnsaurer Stoffe ü ber den urin. Wacholderbeeren unterstützen vor allem Magen, Darm und Drüsen und sie haben eine blutreinigende Wirkung Er fördert die Ausscheidung von Stoffwechselschlacken und bringt so einen allgemeinen Kräftezuwachs. https://www.bach-blueten-portal.de/wacholder/

Wermutkraut (Artemisia absinthium) Wermut ist ein aromatisches Bitterkraut und hat eine wichtige Rolle in der Rezeptur der Heidelberger 7 Kräuter-Mischung. Wermut wird als Heilbitter bezeichnet, weiil er auch noch in starker Verdünnung bitter herausschmeckt. Die Bitterstoffe des Wermut üben spannungs- oder krampfmildernde Eigenschaften auas und unterstützen so die normale Magen- und Darmfunktion. Ebenso regen sie die Absonderung von Verdauungssäften an, was eine bessere Verwertung der aufgenommenen Nahrung ermöglicht. Unterstützende Wirkung hat der Wermut bei der Ausscheidung von Giften und Schlacken über Leber und Magen. So hilft er unserem Körper das Blut gesund und flüssig zu erhalten. In der Hildegard-Heilkunde ist die kurmäßige Einnahme des Wermut-Weins ein wichtiges Mittel zur Gesunderhaltung der Organe. Vielen bekannt ist era cuh als Hauptbestandteil des Absinths bzw. der Grünen Fee. Dieses bewussteinsverändernde Getränk war in Pariser Künstlerkreisen äußerst beliebt.  https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/beifuss-wermut/echter-wermut

 

Literatur:

Das Sieben-Kräuter-Erbe

von Bertrand Heidelberger

Die Verschleimungsgefahr im Körper und ihre Lösung

ISBN 978-3-9323460-8-8

Günter Albert Ulmer Verlag – 78609 Tuningen

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