Magen-Darm-Beschwerden: welche Rolle spielt Stress?

Verdauungsprobleme wie ein Zuviel an Magensäure, Krämpfe des Magen-Darm-Traktes oder Aufblähungen nach den Mahlzeiten können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Sind organische U<sachen nicht zu erkennen, handelt es sich um reinfunktionelle Störungen, die durch eine Überreizung des vegetativen Nervensystems (Stress!) oder durch Ernährungsfehler ausgelöst sein können.

Der Verdauungstrakt besitzt ein eigenes Nervensystem, das enterische Nervensystem (ENS). Das ENS besteht aus sensorischen (durch Dehnung der Darmwand erregte) und motorischen (die Muskulatur und die Drüsenzellen innervierende) Neuronen sowie aus Interneuronen zwischen den senorischen und motorischen Neuronen. Zu den wichtigsten Neurotransmittern des ENS gehört das Serotonin.

Das ENS hat einen starken Einfluss auf den Verdauungsprozess. Es reguliert unter anderem die Darmmotilität, den mit Sekretion und Absorption verbundenen Ionentransport sowie den gastrointestinalen Blutfluss.

Die Wirkung des ENS wird durch das vegetative Nervensystem modulierend beeinflusst:

  • Die parasympathische Komponente fördert dabei generell die Verdauung durch eine Erhöhung der Peristaltik und der Sekretion von Verdauungsenzymen. Im Magen und Darm wird zudem der Tonus (Spannungszustand) der glatten Muskulatur erhöht. Die Sphinkter (Schließmuskeln) werden durch die Wirkung von Stickstoffmonoxid entspannt.
  • Die sympathische Komponente hingegen erhöht die nach außen gerichtete Handlungsbereitschaft und hemmt somit nicht unbedingt erforderliche Vorgänge, wie z.B. die Darmtätigkeit.

Emotionale Erregungen wie Stress, Ärger oder Zorn steigern die Sekretion von Magensaft und die Motilität, Angst oder Traurigkeit wirken sich hemmend auf den Magen-Darm-Trakt aus.

Die Mastzellendegranulation wird beispielsweise bei Stress aktiviert und es kann zur Sensibilisierung und Steigerung der intestinalen Permeabilität im Gastrointestinaltrakt kommen. Dies vor allem bei den funktionellen gastrointestinalen Störungen, aber vermutlich auch bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen von pathophysiologischer Bedeutung.

Einteilung der Magen-Darm-Erkrankungen:

Strukturell:

Beschwerden bei Ulzera und Hernien, Divertikulitis, Enteritis, Polypen, Karzinom, Colitis und Morbus Crohn

Funktionell:

Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Krämpfe, Reizmagen, Gastritis, Reflux, Fötor, Diarrhö oder Obstipation, Meteorismus, Dyspepsie, Dysbiose, Reizdarm, Leaky Gut

Ernährung im Fokus (Presse, DGE intern, 2017 9/2917 vom 29.08.2017)

(dge) Seit 1956 formuliert die Deutsche GEsellschaft für Ernährung (DGE) e.V. in 10 Regeln, wie sich Verbraucher ausgewogen und genussvoll im Alltag ernähren können. Kurz und prägnant fasst sie praktische Empfehlungen für eine optimale Lebensmittelauswahl zusammen und gibt den Verbrauchern einfache Verhaltensregeln in die Hand. Neben ernährungsphysiologischen Kriterien werden auch präventive sowie nachhaltige Aspekte berücksichtigt. Dabei lassen die Empfehlungen individuellen Spielraum und sind nicht als starre Ge- oder Verbote zu verstehen.

Empfohlen wird, sich abwechslungsreich zu ernähren. Dabei sollten pflanzliche Lebensmitteln den größten Anteil ausmachen. Zu bevorzugen sind Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Hinzu kommen, bei guter Verträglichkeit, ausreichend Milchprodukte und Fisch, ergänzt durch wenig Fleisch. Bei der Verwendung von Fett stehen gesundheitsfördernde und qualitative Aspekte im Mittelpunkt. In erster Linie sollten pflanzliche Öle, wie beispielsweise Rapsöl, und daraus hergestellte Streichfette eingesetzt werden. Zucker und Salz lassen sich an vielen Stellen einsparen. Besonders zuckergesüßte Lebensmittel und Getränke sowie salzreiche Produkte gilt es zu vermeiden. Hervorgehoben ist die Empfehlung, vor allem Wasser zu trinken. Auch andere kalorienfrei Getränke wie ungesüßte Tees können zur Flüssigkeitszufuhr beitragen. Abgerundet werden die Regeln durch die Empfehlung, Lebensmittel schonend zuzubereiten, sich für das Essen und Genießen Zeit zu nehmen und ausreichend Bewegung von täglich mindestens 30 Minuten mit in den Alltag einzubeziehen.

Die aktualisierten 10 Regeln lauten:
  1. Lebensmittelvielfalt genießen
  2. Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“
  3. Vollkorn wählen
  4. Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl gegebenenfalls ergänzen
  5. Gesundheitsfördernde Fette nutzen
  6. Zucker und Salz einsparen
  7. Am besten Wasser trinken
  8. Schonend zubereiten
  9. Achtsam essen und genießen
  10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben