Schmerzhafte Schultersteife – Frozen Shoulder

Ein häufiges Symptom der Patienten in meiner Therapie ist die schmerzhafte Schultersteife, meist einfach nur unter dem Englischen Begriff Frozen Shoulder (eingefrorene Schulter) bekannt. Schulterbeschwerden treten mit zunehmenden Alter häufiger auf, Altersgipfel im Bereich zwischen dem 40. – 60. Lebensjahr. Generell gehören Schulterbeschwerden mit zu den häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparats.  Bei einigen beginnen Schulterprobleme als schleichende Irritation, die allmählich schlimmer wird, während andere Pech haben und sich bei einem Sturz verletzen. Die Gründe für die Beschwerden sind verschieden, aber der Schmerz ist oft der gleiche. Zunächst fällt den Betroffenen im Bereich ihrer Schulter Verspannungen, Schmerzen oder Bewegungeinschränkungen auf bis im schlimmsten Fall die betroffene Schulter nicht mehr bewegt werden kann. Die schmerzhafte Schultersteife verläuft sehr schnell und hat auf den ersten Blick keine Ursache. Wie aus dem Nichts schießt Schmerz in die Schulter des Patienten ein, unabhängig von einer Verletzung oder Überbelastung. Am Ende steift die schmerzhafte Schulter ein und wird unbeweglich – Für den Patienten ein Gefühl, als sei sie eingefroren.

Der Schmerz sitzt oft ganz oben und ganz außen in der Schulter. Manchmal strahlt er auf den Arm aus. Der schmerzende Arm fühlt sich oft schwächer an, als wären die Muskeln nicht so stark. Es ist schmerzhaft, auf der Schulter zu liegen und schmerzhaft den Arm zu bewegen.  Die Beschwerden der Schulter werden zu einer ständigen Ablenkung. Alltägliche Dinge wie das Fönen der Haare werden zu einer Herausforderung, manche Arbeitsaufgaben werden fast unmöglich. Um den Schmerzen aus dem Weg zu gehen, werden spannende Aktivitäten nicht mehr unternommen. Man bewegt den Arm lieber nicht, um Schmerzen zu vermeiden. Die Wochen vergehen und Schmerzen, die sich bessern sollten, bleiben oder verschlimmern sich sogar. Und der Betroffene wird frustiert.

Krankheitsentstehung

In der medizinischen Fachsprache wird die Frozen Shoulder auch  als Adhäsive Kapsulitis bezeichnet. Bei der primären (idiopathischen) Schultersteife ist die Ursache unbekannt. Es wird ein Zusammenhang vermutet z.B. mit Herzinfarkt, Hemiplegie sowie Einnahme von Barbituraten. Häufiger ist jedoch die sekundäre Schultersteife als Folge z.B. einer Tendinitis calcarea, Arthrose des Schultergelenks, eines Traumas oder nach Immobilsation.

Die Erkrankungen zeigt sich vor allem durch Schmerzen und Bewegungseinschränkung hauptsächlich bei Außenrotation und Abduktion. Die primäre SChultersteife hat einen typischen stadienhaften Verlauf mit Schmerzen in der Frühphase, die zunächst bevorzugt nachts auftreten und zunehender Bewegungseinschränkung bei abnehmenden Schmerzen in der Spätphase, bevor die BEweglichkeit der Schulter langsam zurückkehrt. Die Beweglichkeit nimmt meist 5-6 MOnate nach Erkrankungsbeginn zu, die fast physiologische Schulterfunktion wird nach 1 – 3 Jahren erreicht. Die Diagnose wird angand der Symptomatik und Sonografie gestellt.

Schulmedizinische Therapie

Die Schultersteife wird konservativ behandelt, meist mit stadienangepassten krankengymnastischen Übungen, manueller Therapie sowie Massage (umstritten) und Hydrotherapie. Bei starken Schmzern können Schmerzmittelgabe und/ oder lokalanästhetische Injektionen helfen. Evtl. kann eine schonende Mobiliration des Gelenks in Narkose mit nachfolgenden Bewegungsübungen den Krankheitsverlauf abkürzen. Die krankheit ist zwar langwierig, in der Regel ist die Schulterfunktion nach 1 – 3 Jahren fast wieder normal.

Etwas Anatomie

Um die Schulter besser zu begreifen, muss ein Blick auf die Anatomie geworfen werden. Dazu einfach dieses nachstehende Youtube-Video anschauen oder ein kurzen Blick in ein Anatomie-Buch werfen. 😉

Interessant ist bei der Schulter, dass die Begrifflichkeit von einzelnen Patienten unterschiedlich beschrieben oder gedeutet wird. Aus diesem Grund ist es immer gut, wenn der Patient während der Anamnese auf die schmerzende Stelle zeigt. Die Schulter besteht aus drei Knochen, vier Gelenken und einer Reihe von Muskeln. Die drei Knochen sind der Oberarmknochen, das Schlüsselbein und das Schulterblatt. Das Schlüsselbein liegt vor der Brust und geht vom Brustbein zum Schulterblatt. Es ist der einzige Knochen, der die Schulter mit dem restlichen Skelett verbindet. Der Rest der Schulter ist mit dem Körper über Muskulatur verbunden. 

Die Muskeln des Schulterblatts

Die drei Hauptmuskeln des Schulterblatts sind der Serratus anterior, die Rautenmuskeln und der Trapezius. Der Trapezius, auch Kapuzenmuskel genannt, erstreckt sich wie ein Dreieck von der Wirbelsäule zur Schulter.  Die Rautenmuskeln, die sich unter dem Trapezius befinden, befestigen den inneren Teil der Schulter mit der Wirbelsäule. Die Serratus Anterioren erstrecken sich von der Unterseite des Schuterblattes bis zu den Rippen. Diese drei Muskeln steuern dun bewegen zusammen das Schulterblatt.

Die Muskeln, die den Arm bewegen

Vier kleine Muskeln befinden sich zwischen dem Schulterblatt und dem Oberarm. Zusammengenommen nennt man sie die Rotatorenmanschette und sie beschäftigen sich damit, den Arm nach innen oder außen zu drehen. Die Rotatorenmanschette spielt auch eine wichtige Rolle dabei, den Oberarm im Innern des Kugelgelenks des Schulterblattes zu stabiliseren.  Der größte und sichtbarste Muskeln, die den Arm bewegen, sind der Brustmuskel (Pectoralis), der Deltamuskel (Deltoideus) und der breite Rückenstrecker (Latissimus).

Wie viel erträgt die Schulter?

Die Muskeln und Gelenke können viel aushalten. Aber wenn die Belastung über lange Zeit zu hoch wird, kann dies Probleme verursachen. Die Ursache für die meisten Schulterbeschwerden, abgesehen von akuten Verletzungen wie Stürze, sind Lasten, die höher waren, als die Schmerzgrenze. Eine Schulter die regelmäßig verwendet wird, hält viel mehr Stress strand, als eine wenig trainierte. Kooperieren die Muskeln um die Schulter gut, entlastet dies das Schultergelenk und reduziert die Belastungen andere Strukturen in der Schulter. Wenn schon Schäden vorhanden sind -wie zum Beispiel die oben genannte Frozen Shoulder-, wird die bessere Funktion des Schulterblattes das schmerzhafte Gelenk zu entlasten. Mit  Entlastung und den richtigen Übungen erhält die Schulter Zeit und die Fähigkeit sich selbst zu reparieren.

Wiederholung zur Schultersteife (frozen shoulder)

Nun zurück zum eigentlichen Thema: der Schultersteife. Dazu eine kurze Wiederholung. Der Name der Schultersteife und die „gefrorene Schulter“ kommt vom Gefühl, nicht in der Lage zu sein, die Schulter zu bewegen. Trotz des Namens „eingefroren“ geht es nur um die Steifigkeit und Schmerzen in der Schulter.

Eine Schultersteife entsteht durch eine Entzündung der weichen Gelenkshaut, die das Schultergelenk umgibt. Die Symptome können spontan oder als Folgeschäden nach Stürzen oder Spannung der Schulter entstehen. Die Symptone sind Schmerzen und Steifigkeit. Allmählich schrumpft die Gelenkhaut und die Schulter wird steifer und steifer. Die dünne Gelenkhaut verursacht Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit im Schultergelenk.

Der Zustand wird oft „50-Jahre-Diagnose“ genannt, weil die meisten Menschen die Probleme zischen 40 und 70 Jahre bekommen. Der Schmerz kann heftig sein, vor allem in den ersten Monaten. Darüber hinaus reduziert sich die Mobilität der Schulter. Dennoch ist es ein Zustand mit guten Prognosen, aber eine Besserung kann sehr lange dauern. Die meisten erkennen eine Besserung innerhalb von zwei Jahren, aber es nicht so ungewöhnlich, dass es bis zu drei Jahre dauert, bis die Schulter zum normalen Betrieb zurückkehrt.

Symptome: Der Schmerz kommt in der Regel nach und nach und wird im Laufe der Zeit stärker. Er ist an der Schulter und der Außenseite des Oberarms zu  spüren. Der Schmerz ist oft stärker, wenn man aktiv ist und in der Nacht. Es ist schmerzhaft auf der Schulter zu liegen.

Erwartete Besserung und empfohlene Behandlung

Schultersteife entwickelt sich in drei Phasen:

  1. Schmerzphase
  2. Steifigkeitsphase
  3. Auftauphase

In der Schmerzphase kommen die Schmerzen allmählich, während die Mobilität der Schulter verringert wird. Die erste Bewegung, die nicht mehr funktioniert, ist die Außenrotation (den Arm nach außen drehen). Allmählich verschwinden auch andere Bewegungen, so dass es schwierig wird, über der SChulterhöhe zu arbeiten. Die Phase dauert in der Regel zwischen drei und acht Monate. Viel Training oder Übung wird zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen, aber man kann Verbesserung durch eine Cortison-Injektion spüren.

In der Steifigkeitsphase verschwindet der Schmerz nach und nach, während die Steifigkeit in der Schulter anhält. Diese Periode dauert vier bis sechs Monate. In diesem Stadium ist es ratsam, die Schulter so viel wie möglich innerhalb des Bereiches zu bewegen, der schmerzfrei ist. Das hilft, so viel Flexibilität wie möglich in der Schulter zu behandeln.

In der Auftauphase sind die Schmerzen verschwunden und nur die Steifigkeit bleibt. Die Steifigkeit nimmt allmählich ab, die Gelenkshaut dehnt sich zu ihrer ursprünglichen Größe aus. Dies geschieht über einen Zeitraum von ein bis drei Monate.

Ayurvedische Betrachtung der Schultersteife

Nach ayurvedischer Anschauung lokalisiert sich das gesteigerte Vata-Dosha in der Schulterregion. Das aggravierte Vata-Dosha besteht in einem Zustand von Trockenheit und Verschleiß in den Gelenken. Auch das Kapha-Dosha ist in diesem Fall mitbeteiligt. Hauptfokus bleibt aber das Vata-Dosha. Die Schultersteife ist somit ein Symptom des gesteigerten Vata und daher ist der therapeutische Ansatz ein Ganzheitlicher. Die ayurvedische Name dieser Erkrankung lautet Apabahuka.

Über die Ernährung wird schon Vata gedämpft, dass sollte die Nahrung leicht verdaulich und nahrhaft sein. Gewürze wie Ingwer, Kreuzkümmel und Asafoetida sind zu empfehlen. Knoblauch nur in Maßen und keinesfalls roh sondern leicht gedünstet. Die Dravyaguna (ayurvedische Phytotherapie) bietet ergänzende Möglichkeiten wie die Zubereitungen auf der Basis von „zehn Wurzeln“ (Dashamoola). Ingwer und Galgant werden empfohlen und das sogenannte Triphala-Guggulu (Pulver der Früchte von Terminalia chebula, Terminalia belerica, Emblica officinalis gemischt mit dem Harz des indischen Myrrhebaums Commiphora mukul). Die Anleitungen eines Ayurveda-Therapeuten helfen vor Fehlern der Eigenmedikation zu bewahren. Die ayurvedische Pflanzenheilkunde orientiert sich hier auch an der Konstitution des Einzelnen und muß auf die jeweiligen Bedingungen angepasst werden.

Weiterhin wird der Ayurveda-Therapist physikalische Maßnahmen verordnen und anleiten. Dazu gehören ölige Darmeinläufe. Die ayurvedischen Einläufe haben relativ wenig gemeinsam mit unseren Vorstellungen oder Gedanken zum Thema Einlauf. Hier wird eine eher kleine Menge Öl in das Rektum eingeführt und so lange wie möglich einbehalten. Dies reguliert Vata direkt an seinem Stammsitz im Körper, im Dickdarm. Aus diesem Grund wird der ölige Darmeinlauf auch in der allgemeinen Gesundheitspflege gerne angewandt und nach einer relativ kurzen Eingewöhnungszeit hoch geschätzt. Ayurvedische Öl- und Wärmeanwendungen ergänzen den Behandlungsplan für Apabahuka, der Schultersteife. Warme feuchte Kompressen zuhause angewendet versprechen eine Linderung. Verschiedene Yoga-Übungen vervollständigen den therapeutischen Ansatz.

Ähnlich wie in der Schulmedizinischen Therapie ist die ayurvedische Behandlung hier über einen längeren Zeitraum nötig. Der Ayurveda hat in seinem Therapieansatz viele Berührungspunkte mit der klassischen Therapie und kann so auch eine gute Erweiterung/ Ergänzung zur ärztlichen Therapie darstellen. Egal ob Ayurveda oder eine andere Therapiemethode. Die Therapie erfordert von den Betroffenen viel Geduld und viel eigenes Management, um die einzelnen Anwendungen regelmäßig durchzuführen. Ein schneller Erfolg kann nicht versprochen werden.

Gerne können Sie sich zur Beratung an mich wenden!

 

 

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