Adrian Stemmer

Ayurveda

Der Schwerpunkt meiner Naturheilpraxis liegt beim Ayurveda, die indische Lehre (Wissenschaft) über die Gesundheit.

Ayurveda ist die Kunst, gesund zu leben und sanft zu heilen. Der Name entstammt dem Sanskrit und setzt sich zusammen aus „ayus“, was Leben bedeutet und als Kombination von Körper, Geist und Seele definiert wird, und „veda“, Wissen im Sinne einer allumfassenden Weisheit. Dieses „Wissen vom Leben“ und damit das Bewusstsein über die individuelle Beschaffenheit des eigenen Körpers, der Psyche und der göttlichen Natur der Seele ermöglicht uns, dass wir unser Potenzial voll ausschöpfen können und unser Leben in Liebe und Freude gestalten können.

Ayurveda kommt im Vergleich zur modernen Medizin, die primär eine Heilkunde ist, in drei Bereichen zur Anwendung:

  1. Ayurveda bietet als Gesundheitsvorsorge mit umfangreichen Richtlinien zu unserer Ernährungs- und Lebensweise einen essentiellen Beitrag zur Krankheitsvorbeugung.
  2. Ayurveda geht als Lebensphilosophie auf alle Facetten eines individuellen Lebens ein und unterstützt uns in wichtigen Aspekten sozialer, emotionaler und seelischer Harmonie.
  3. Ayurveda als Medizinwissenschaft ist ein ganzheitliches Konzept von Gesundheit, Krankheit und umfangreichen Heilmethoden. Die enge Verbindung von Wissenschaft und Philosophie im Ayurveda ist einmalig; sie beruht auf einer anspruchsvollen Theorie und einer ausgedehnten klinischen Praxis.

Gemäß Ayurveda existiert nichts auf dieser Welt, was nicht in irgendeiner Form medizinisch nutzbar wäre. Wichtig ist, dass jeder Mensch die Verantwortung für sein Wohlergehen selbst übernimmt und sich am Heilungsprozess beteiligt. So heisst denn auch das Wort für Gesundheit im Ayurveda „svastha“, was soviel bedeutet wie „bei sich selbst (sva) sein (stha)“.

Ayurveda ist von der Weltgesundheitsorganisation WHO als traditionelle Heilkunde anerkannt (WHO Traditional Medicine Stragegy 2002-2005, Document WOH/EDM/TRM/2002.1).

Die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha

Vata-Dosha ist die Beziehung zwischen Luft und Äther. Seine Eigenschaften sind: leicht, hell, flüchtig, trocken, kalt, fein, hart.

Im ausgeglichenen Zustand sorgt Vata für Energie des Willens. Als „Bewegungs-Dosha“ ist es verantwortlich für die Atmung, Bewegung von Körper und Geist, Ausgleich im Gewebe.

Zuviel Vata führt u.a. zu Trockenheit (trockene Haut, Verstopfung, trockenes Auge), Schwäche, Müdigkeit.
Vata befindet sich hauptsächlich im Darm, dort verursacht es Krankheiten, dort wird es auch ausgeschieden.

Pitta-Dosha bildet sich aus Feuer und einem Teil des Wassers. Die dazugehörigen Eigenschaften sind: beweglich, flüssig, leicht ölig, scharf, heiß, schlecht riechend.

Im ausgeglichenen Zustand sorgt es für gute Verdauung, Hitze, Hunger und Durst, für Intelligenz und Entscheidungsfreude.

Zuviel Pitta führt zu Schlafstörungen, Gefühl von Brennen, gelber Haut, Augen und Stuhl.

Hauptsitz von Pitta ist der Dünndarm. Dort reichert es sich an und verursacht Erkrankungen. Es befindet sich auch in Magen, Augen, Blut, Talgdrüsen und Schweiß.

Kapha-Dosha  besteht aus Erde und Wasser. Kapha ist schwer, klebrig, feucht, kalt, sanft, fest und bodenständig. Es ist Substanz, Gewicht, Struktur und Festigkeit des Körpers.

Im ausgeglichenen Zustand sorgt Kapha für Stabilität, für Erhalt der Körperflüssigkeiten aber auch für Emotionen wie Liebe, Verzeihen, Ausgleich.

Zuviel Kapha führt zu Blässe, Kältegefühl, Erschöpfung, Schwäche, Müdigkeit, schwerer Atmung.
Hauptsitz von Kapha ist der Magen. Es befindet sich aber auch in Kopf, Nase, Zunge, Hals, Brust.

Konstitutions-Typen



Je nachdem, welches der drei Doshas vorherrscht, gibt es beim Menschen mehr oder weniger ausgeprägte Konstitutions-Typen.

Die Vata Konstitution

Vata-Menschen frieren leicht. Ihre Haut ist trocken und rissig und meist ebenso kalt wie ihre Hände und Füße.

 Ihr Körperbau ist feingliedrig, groß und schlank, kann aber auch klein und zart sein. Sie neigen zu schwachen Gelenken, zeigen spärlichen Haarwuchs. Sie haben eher kleine, aber lebhafte Augen, die oft tief in den Höhlen liegen. Trockenheit wirkt sich auf alle Organe aus. Vata-Menschen haben wenig Tränenflüssigkeit, was zu Beschwerden durch trockene Augen führt. Auch ihre Nägel sind oft trocken und splittern.

 Sie sind wärmebedürftig und lieben heiße Getränke.

 Sie haben selten ausgeprägten Appetit, vergessen bisweilen eine Mahlzeit, ohne es zu merken.

 Da sie auch wenig Durst haben, trinken sie zu wenig, so dass die Ausscheidungen gering bleiben. Der Stuhl ist meist trocken, daher leiden sie ständig an Verstopfung. Sie schwitzen kaum und schlafen schlecht, kurz und unruhig.

 Der Vata-Typ ist oft kreativ, aktiv, immer in Bewegung, nervös. Er läuft so schnell wie er spricht, ist schnell müde, ohne es zu merken, bis zur totalen Erschöpfung.

 Rasche Auffassungsgabe zeichnet ihn aus, aber er ist vergesslich.

 Er neigt zu übertriebener Angst und unbegründeter Sorge. Er ist flexibel, anpassungsfähig. Er arbeitet schnell und kann recht ungeduldig werden, weil ihm nichts rasch genug geht.

Die Pitta-Konstitution

Pitta-Menschen haben einen mittleren Körperbau. Die Hautfarbe ist gesund, gelblich, rötlich oder auch hell. Sie neigen dazu, leicht rot zu werden. Sie haben weiche und warme Haut. Ihr Haar ist dünn und weich, kann rot oder braun sein und neigt dazu, frühzeitig zu ergrauen. Haarausfall ist nicht selten. 

Die Farbe der Augen: meist grau, grün-grau, oder braun. Sie sind oft Brillenträger. Sie haben eine gut feuchte Bindehaut. Ihre Nägel sind weich. 

Pitta-Menschen haben oft einen guten Stoffwechsel, ausgeprägten Appetit und können viel essen und trinken, haben gute Verdauung mit reichlich Stuhl.

 Sie bevorzugen kalte Getränke.

 Der Schlaf ist gut. Der Pitta-Typ schwitzt schnell und häufig, Hände und Füße sind warm. Er hat eine eher hohe Körpertemperatur und kann warme Außentemperaturen schlecht aushalten. Er hat eine gute Auffassungsgabe, ist intelligent mit gutem Zahlengedächtnis. 

Er kann schnell mal aus der Haut fahren. Sein Ehrgeiz verleiht ihm Führungsqualitäten.

Die Kapha-Konstitution

Kapha-Menschen neigen zu Übergewicht, aber gut entwickelter, kräftiger Muskulatur.

 Ihre Haut ist blass, kalt, teigig. Ihre Haare sind meist dunkel, wellig und kräftig. Das Weiß in ihren Augen unterstreicht ihre Größe und verleiht ihnen attraktives Aussehen.

 Der Kapha-Typ hat einen langsamen Stoffwechsel. Er isst mäßig, aber regelmäßig, trotzdem noch zu viel. Denn er bewegt sich langsam. Der Stuhl ist meist weich, kann aber durch trägen Stuhlgang hart sein. 

Der Kapha-Typ neigt zum Schwitzen, seine langsamen Bewegungen hält es aber in Grenzen. Er hat einen guten Schlaf.

 Der Kapha-Mensch ist robust, selten bis gar nicht krank, ihn bringt nichts aus der Ruhe und er ist mit seinem Leben meist zufrieden.

 Er zeichnet sich aus durch Toleranz, Ruhe, Beständigkeit.

 Er lernt langsam, aber was einmal „sitzt“, wird nicht wieder vergessen.

Das Prinzip der Doshas an einem Beispiel



Sicher ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie an einem heißen Sommertag, wenn Sie ein kaltes Getränk trinken, um sich „abzukühlen“, dadurch erst recht ins Schwitzen geraten, wenn Sie dagegen ein warmes Getränk zu sich nehmen, bleibt das Schwitzen aus.

 Die Erklärung: Die Sonnenhitze wirkt von außen auf Ihren Körper ein und führt ihm Pitta zu. Die Eigenproduktion von Pitta wird vom Körper der Hitze wegen stark reduziert. Trinken Sie nun etwas Kaltes, wird dem Körper mitgeteilt, dass nun Eiseskälte herrsche, er wird also die Produktion von Pitta ankurbeln. Diese Regulation geht sehr schnell. Und genauso schnell bekommen Sie einen Schweißausbruch.

Ayurveda und Gesundheit


Jeder Mensch wird mit einer bestimmten „gesunden Mischung“ der drei Doshas geboren. Alle drei Doshas prägen die individuelle Konstitution dieses Menschen.

 So, wie er ist, ist seine „Natur“. Ein Beispiel:
 In unserer von Hektik bestimmten Zeit wird bei allen Menschen Vata verstärkt, also das natürliche Gleichgewicht gestört. Es entsteht dann eine Vata-Störung. Frieren, Nervosität, Kopfschmerz kann die Folge sein.

 Der Organismus wird nun versuchen, Kapha (den Gegenpol von Vata) verstärkt zu bilden, um einen Ausgleich zu schaffen. Und in gewissen engen Grenzen wird ihm dieser Ausgleich auch gelingen.

 Wenn aber Vata ständig weiter von außen auf uns einwirkt, wird der Körper weiteres Kapha nicht mehr bilden können, eine Regulierung kann nicht mehr stattfinden und der Mensch wird krank.

 Sie sehen aus diesem Beispiel, dass auch hier Krankheit am Ende eines Prozesses liegt, der sich lange hinziehen kann.

Diagnose



Ein Ayurveda Therapeut kennt viele verschiedene Möglichkeiten, Art und Natur einer Erkrankung festzustellen. Eine davon ist die Zungendiagnose. Farbe, Zeichnungen, Bewegung der verschiedenen Areale der Zunge geben Aufschluss über Art und Ort des Ungleichgewichtes und wird zur Therapie herangezogen.

 Den wichtigsten Aufschluss über das Ungleichgewicht der Doshas gibt die Pulsdiagnose. Der Puls wird mit drei Fingern und damit an drei verschiedenen Punkten gemessen. Je nach Erfahrung erkennt der Therapeut die ursprüngliche „Zusammensetzung der Doshas“ des Patienten und welche der Doshas sich verändert haben. Ist der Grad der Abweichung bestimmt, hat der Therapeut nunmehr die Möglichkeit, ein erhöhtes Dosha zu senken und/oder ein erniedrigtes zu steigern. 

Bis das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist.

Therapie

Zur Therapie hat der Ayurveda Therapeut eine Fülle von Möglichkeiten, wie z. B. Ölmassagen, Hitzebehandlung entsprechend unserer Sauna, Heilfasten, Öl-Kräuter-Einläufe, unzählige überlieferte pflanzliche Arzneien und Arzneimischungen, Tee-Applikationen u.s.w.. Eine große Bedeutung für die Erlangung des Gleichgewichtes spielt aber auch die Zusammensetzung der Speisen. Und letztlich spielen auch Meditation, Yoga und Entspannungsübungen eine wesentliche Rolle bei der Heilung.

 Nicht die Suche nach einem Krankheitsherd und seine Vernichtung steht im Vordergrund der Therapie, sondern die Wiederherstellung des individuellen Verhältnisses der drei Doshas zueinander. 

Die Therapie in der Ayurveda hat letztlich zum Ziel, die innere Harmonie von Körper, Geist und Seele wieder herzustellen.

Was bringt Ihnen der Ayurveda?



Zugegeben, es gibt bei uns ganz wenige Ayurveda Therapeuten, die die ayurvedische Diagnose und Therapie beherrschen.

 Die Ausbildung zum ayurvedischen Arzt oder Therapeuten kann Jahrzehnte dauern, eine gute Therapie erfordert sehr viel Erfahrung. Wenn Sie die Ruhe und Ausdauer der Diagnosefindung einmal miterlebt haben, die Sicherheit bei der Wahl der notwendigen Therapie beobachten konnten und ihren Erfolg gesehen haben, dann werden Sie erkennen, wie gut uns diese den ganzen Menschen erfassende Therapie tun würde aber wie schwer sie sich in unserer durch Hektik geprägten Zeit verwirklichen lässt.

 Dennoch gibt es einige Kliniken und Institute, die ayurvedische Kuren anbieten und Therapien betreiben.

 Die ayurvedische Pancha-Karma-Kur zielt allerdings eher auf die Erhaltung der Gesundheit ab, sie ist zu teuer und zu aufwendig, als dass jedermann sie über Monate betreiben könnte. 

Es gibt allerdings bisweilen auch erstaunlich schnelle Heilerfolge.
 

 Für Gesunde und für Kranke ist die „Pancha-Karma-Kur“ eine äußerst angenehme Behandlung. Sie kann die Ursachen von Erkrankungen beseitigen und kräftigt den Körper, führt ihn zu neuer Vitalität. Durch die Ruhe, in der die Therapie durchgeführt wird, erfährt man Entspannung und gelangt zu einer großen Ausgeglichenheit.
 Haben Sie nicht die Möglichkeit einer längeren Kur in Indien oder in einem Ayurveda Zentrum, so haben Sie die Möglichkeit sich ambulant bei mir behandeln zu lassen und so in einem gewissen Rahmen die Annehmlichkeiten einer Ayurveda Therapie selbst zu erleben.

Vata-Tee, Pitta-Tee, Kapha-Tee



Als milde Unterstützung der Gesundheit gibt es für die drei Dosha-Konstitutionen fertige Teemischungen.

 So wird ein Vata-Typ durch tägliches Trinken von Vata-Tee eine wohltuend ausgleichende Wirkung erfahren, besonders aber in der kalten Jahreszeit oder bei Stress und Hektik, Faktoren, die Vata vermehren. 

Der Pitta-Tee wird einem Pitta-Typ besonders in der warmen Jahreszeit, in der viel Pitta von außen zugeführt wird, Beruhigung bringen.

Ayurveda-Küche



Natürlich kann man den Ayurveda leben, ohne ein Fanatiker sein zu müssen.

 Ich erwähnte bereits, dass die Art der Nahrung und die Gewürze einen Einfluss auf die jeweiligen Doshas ausüben. So wird man einem Menschen mit Pitta-Konstitution keine extrem scharf gewürzte Speisen vorsetzen, weil sie sein Pitta noch mehr anheizen. Für den Kapha-Typ aber werden die scharfen Gewürze gerade richtig sein, denn bei ihm läuft der Stoffwechsel ohnehin zu langsam ab.

 Einem Vata-Menschen werden mäßig gewürzte Speisen besser bekommen, besonders, wenn bei der Mahlzeit eine ausgeglichene Atmosphäre und Ruhe herrscht.

 Generell soll eine Mahlzeit alle Geschmacksrichtungen enthalten. Süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend. Hierbei soll das Süße am Anfang der Mahlzeit (nicht als Nachtisch, wie wir es gewohnt sind) gegessen werden, denn es aktiviert die Verdauung. 

Zehn Minuten vor jeder Mahlzeit sollte man eine große Tasse heißen Wassers in kleinen Schlucken trinken. Ein kleines Stück frischen Ingwer mitgekocht gibt nicht nur einen angenehmen Geschmack, sondern macht das Wasser für alle Dosha-Konstitutionen besonders bekömmlich. Hierdurch wird „Agni“, das „Verdauungsfeuer“ angeregt.

 Kalte Getränke vor oder gar zum Essen löschen Agni, schaden also der Verdauung. 

Auf keine Fall sollte man während der Mahlzeit trinken, da die Verdauungssäfte verdünnt werden. 

Diese Verhaltensregeln, lassen sich mit etwas Überlegung gut nachvollziehen. 

Auch die Speisen kann man je nach Typ oder Gesundheitszustand auswählen. So sollte jedes Essen aus einer ausgewogenen Mischung von allen drei Doshas bestehen. Man unterscheidet bei Gemüse solches, was unter der Erde, auf der Erde und über der Erde wächst. Karotten sind also ein typisches Kapha-Gemüse u.s.w.

 Und natürlich spielt nach dem Ayurveda auch die Jahreszeit für die Auswahl eine Rolle bei einer gesunden Ernährung. In der kalten und windigen Jahreszeit verträgt man mehr Kapha und Pitta, in der heißen Jahreszeit mehr Vata und weniger Pitta.

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