Adrian Stemmer

Phytotherapie

Eines der klassischen Naturheilverfahren mit langer naturheilkundlicher Tradition. Eingesetzt werden Pflanzen, Pflanzenteilen oder pflanzlichen Bestandteilen zubereitete Phytopharmaka. Oft sind die pharmakologischen Wirkungen im Sinne einer rationalen Phytotherapie nicht auf die einzelnen Inhaltsstoffe zurückzuführen; die Wirkung ergibt sich aus den Synergien der verschiedenen Substanzen.

Peter Germann, Phytaro Heilpflanzenschule

Die Pflanzenheilkunde hat eine Tradition, die bis in unsere Zeit reicht und auch in der modernen Arzneimittelforschung einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Zahlreiche moderne Arzneistoffe stammen direkt oder in abgewandelter Form aus Pflanzen, z.B. Colchicin das erste wirksame mittel gegen Gicht aus der Herbstzeitlosen, Digitoxin und Digoxin aus den Blättern des roten und wolligen Fingerhut. Bekanntes Beispiel ist die Weidenrinde, die bereits von Hippokrates im 5. Jahrhundert v. Chr. zur Schmerzbehandlung eingesetzt wurde. Nach der Isolierung des Wirkstoffs Salicin gelang 1897 die Synthese der Acetylsalicylsäure, die als Aspririn® zum wohl erfolgreichsten Arzneimittel des 20. Jahrhunderts wurde.

Praktische Durchführung

Phytotherapeutika sind sog. Mehrstoff- v.a. aber Vielstoffgemsiche, d.h. ihre Wirkung ergibt sich nur aus der Summe aller ihrer Inhaltsstoffe. Zum Einsatz kommen Tees, Tinkturen und Extrakte genauso wie AromaÖle (spezielle Therapie: Aromatherapie). Hildegard von Bingen verwendete in ihren Rezepturen Pflanzen, die in Wein ausgekocht werden und zu sog. Elexieren weiter verarbeitet.

Die Phytotherapie lässt sich gut mit anderen naturheilkundlichen Verfahren kombinieren. Die Kombination mit Therapieverfahren, die informativ wirkenden oder feinstofflichen Therapieverfahren (z.B. Homöopathie, Akupunktur oder Bachblüten) hat sich besonders bewährt.

Indikationen

Die Phytotherapie kann sowohl bei akuten Erkrankungen als auch bei chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Wichtige Indikationsgebiete sind:

  • Atemwegserkrankungen (z.B. Tonsillitis, Bronchitis)
  • Stärkung des Immunsysstems
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • Verdauungsstörungen (z.B. dyspeptische Beschwerden, Reizmagen, chronische Obstipation)
  • Erkrankungen des Leber-Galle-Systems
  • Erkrankungen des Urogenitaltrakts (z.B. Harnwegsinfekte, Reizblase, benigne Prostatahypertrophie, PMS, Wechseljahresbeschwerden)
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z.B. Herzinsuffizienz, chronisch-venöse Insuffizienz)
  • Schlafstörungen, unruhezustände, leichte Depressionen
  • Degenerative Erkrankungen (z.B. Demenz)

Phytopharmaka sind im Allgemeinen mild wirksame und nebenwirkungsarme Arzneimittel mit großer therapeutischer Breite. Langjährige Erfahrung zeigt, dass sie in vielen Fällen auch bei Kindern und Schwangeren angewendet werden können. Dennoch gelten Schwangerschaft und Stillzeit sowie Kindesalter (unter 12 Jahren) häufig aus arzneimittelrechtlichen Gründen als Kontraindikation.

Scroll to Top