Die phantastische Welt der Massage

Eigentlich wollte ich heute über mein fantastisches, vegetarisches Essen hier in Shanghai berichten. Als Nachtisch habe ich mir heute dann eine Massage – von zwei Therapeuten  durchgeführt – gegönnt. Und während ich so unter den sanften, warmen Händen der Therapeuten in Wohlgefühl zu schwelgen begann, mußte ich über meine Massage Erfahrungen nachdenken.

kostenfreies Bild; Quelle: pixabay.com/whitesession
Massagen sind toll

Massagen sind etwas tolles. Und bevor hier Zweifel aufkommen. Mit Massage bezeichne ich nur dieses schöne Gefühl, das menschliche Masseure weiter geben können. Bis heute kann ich die Begeisterung für die mechanischen Geräte nicht nachvollziehen. Meinen Frisör bitte ich jedes Mal den Massagestuhl während der Haarewäsche auszuschalten. Diese Geräte schruppeln und kneten einfach über den Körper hinweg ohne auch nur Ansatzweise ein angenehmes Wohlgefühl in meiner Rückenmuskulatur auszulösen. Die Massagestühle in den Shopping-Centern sind einfach nur häßlich und dienen einfach nur schnell das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ganz anders hingegen in den amerikanischen Shopping Malls. Dort gibt es fast immer eine kleine Ecke oder Nische, in der asiatische Arbeiter (Sind das wirklich Chinesen??) Hand-, Fuß- oder Rückenmassagen anbieten. Die Amerikaner nutzen diesen Service gerne. Bekanntermaßen tun diese Massagen gut, denn sie entspannen und verbreiten ein Wohlgefühl. Man entschleunigt in einer sicher überhetzten Flut. Während einer Massage vergisst man auch einfach mal seine Nachrichten auf WhatsApp zu kontrollen. Nein, man vergisst es nicht.  Viele wollen während einer Massage auch nicht erreichbar sein: Sie schalten ihr Handy komplett aus.

Die  Effekte von Massagen

Der therapeutische Effekt der Massage-Anwendungen wird von klassischen Schulmedizinern gerne gelegentlich bezweifelt. Unstrittig ist, dass klassische Massagen folgende Effekte im Körper erzielen: Sie steigern die Durchblutung, versorgen die behandelten Regionen besser mit Nährstoffen, lösen Verklebungen zwischen Gewebeschichten, bauen Lymphflüssigkeit ab, entspannen die Muskulatur, lindern Schmerzen, beruhigen den Patienten insgesamt. Doch welche Kranheiten oder Leiden mit Hilfe von Massagen gar geheilt oder gebessert werden können, lässt sich nur schwer oder schlecht beantworten oder nachweisen. (Spiegel Online)

Im Indischen Heilsystem – Ayurveda – sind Massagen fester Bestandteil vieler Therapien und werden von den Patienten sehr geschätzt. Viele indische Ärzte legen dazu selbst Hand an, vor allem die traditionellen, südindischen Ärzte. Nicht jeder indische Ayurveda-Arzt hat dazu ein Hochschulstudium absolviert. Sondern gerade die ländlicheren Ärzte werden als Nachfolger von ihren Vorgängern ausgewählt. Anstatt lateinische Namen abends in ihrem Studierkämmerchen zu lernen, wird ihnen abends Geschichten, Legenden von Dhanvantari oder Hanumans erzählt. Erzählungen über Kräuter, Pflanzen oder auch Pressurpunkten – den Marmas – und der ayurvedischen Anatomie. Diese Ärzte können vielleicht kein Englisch oder kennen auch die lateinischen Namen der Organe weniger. Doch sie kennen die Wirkungsweise ihrer Mittel und legen an vielen Patienten selbst Hand an. Am Anfang vielleicht als Unterstützung für den alten, weisen Heiler der Dorfgemeinschaft. Oder sie müssen stundenlang das selbsthergestellte Massage-Öl umrühren und bewachen, damit sie die Wirkung der Öle noch elementarer begreiffen – und auch am Geruch erkennen. Am Geruch zeigt sich oft die Qualität des Thailams – Ayurvedisches Massageöl. Aporpos Geruch! Ayurveda Massagen haben wenig Bezug zu den Aromatherapien. Denn die indischen Öle sind selten ein Wohlgeruch, manche stinken regelrecht. Erst wenn man die Wohltat am eigenen Leib erfahren hat, wird das Öl zum Beispiel Murivenna – enthält die Wirkstoffe von Zwiebeln – als wohlriechend empfunden.

Meine erste Ayurveda Synchronmassage

Gerne erinnere ich mich an meine erste ayurvedische Massage in Indien. Durch meine Arbeit als Flugbegleiter kam ich in viele Länder und nutzte immer wieder gerne mal die Massage in den Hotels. So tat ich es damals auch im Sheraton Park Hotel & Towers in Chennai. Dieses Hotel bietet die ayurvedische Synchronmassage an. Synchron bedeutet in diesem Fall, dass zwei Therapeuten die Abhyanga – Ganzkörper-Öl-Massage – gleichzeitig rechts und links durchführen. Ich wurde in einen viel zu hellbeleuchteten Raum gebracht. Dort wurde mir ein Art Lendenschurz umgebunden während der zweite Therapeute mir die Unterwäsche auszog. Dann musste ich mich auf einen Hocker setzen und der Inder sagte etwas in der Art wie „Hähdmassasch“. So schnell konnte ich nicht gucken wie auf einmal kein Kopf voller Öl war und der Masseur begannt mit seinen Händen auf meinen Kopf zu rubbeln, zu schrubben oder zu klopfen. Zuerst befürchtete ich ein kleines bis mittleres Schleuderdrama. Nach einer gefühlten Ewigkeit sollte ich mich auf die Massagebank legen. Bis dato kannte ich nur die angenehm gepolsterten und mit Frottee ummantelten Massagebänke der Spas. Diese Massagebank war ein dunkler , blanker Holztisch, dessen vier Enden am Kopf und Fuß mit Metall umwickelt war: der traditionelle Droni. Hier muss ich fairerweise zugeben, dass in Indien die Massagetische nun auch eine Polstermatte als Auflage haben. Doch dieser Massagetisch damals war noch ungepolstert. Kaum lag ich darauf wurde ich mit jeder Menge temperierten Öls überschüttet. Das warme Öl war ein absolut angenehmes Gefühl. Doch lange konnte ich diese Wohligkeit nicht genießen. Denn die beiden Inder sprachen etwas Indisches – Tamil oder Malayam – und begannen dann ganz schnell über meinen Körper mit ihren Händen zu huschen. Es ging mit der ganzen Handfläche und ordentlich Druck – gut zu spüren auf der Holzpritsche – immer wieder auf und ab. An meinen Gelenken wurde gerubbelt und hin und hergerieben, kurz darauf wurde ich bei den Ganzkörperausstreichungen vielleicht auch Ausreibungen auf den Tisch auf und ab geschoben. Die Inder unterhielten sich damals und schienen gut gelaunt zu sein. Immerhin hörte ich sie recht oft lachen.

Ethno Health Apotheke
Quelle: Ethno Health

Für mein Kopf bzw. Geist war das alles andere als angenehm. Von einer Massage habe ich etwas ganz anderes erwartet. Bisher war ich gewohnt zugedeckt zu werden und nur der behandelte Körperteil liegt für den Masseur blank da. Da die Masseure sich in einer mir unbekannten Sprache unterhielten. Hatte sich bei mir schnell der Gedanke eingeschlichen, dass sie über meine Problemzonen oder sonstiges lachten und scherzten. Meine Muskeln erhielten kein Kneten wie bei einer schwedischen Massage. Meine Verspannungen lösten sich sicherlich nicht, denn ich war mir der Härte der Bank umso bewußter wie der Druck der vier Hände zunahm. Während der Massage hatte ich nicht abgeschaltet. Hatte nur noch einen Gedanken: So muss ich ein Stück Fleisch fühlen, wenn es auf dem Küchentisch mariniert und bearbeitet wird. Ich fühlte mich erniedrigt und alles andere als glücklich. Ich wollte nur noch, dass die Massage endlich vorbei ist.

Die Massage fand schließlich ein Ende: Ich wurde in die Sauna gesteckt und sollte dort mindestens 10 Minuten drin bleiben. Dies konnte und wollte ich nicht begreifen: In Chennai waren Temperaturen von 36° Grad gemeldet! Und mir lief der Schweiß aus allen Poren. Oder vielleicht waren es auch die Tränen der Erfahrung! Diese traditionelle Massage war für mich ein Albtraum.

Ayurveda Massage – ein Albtraum?

Ein Albtraum sollte die ayurvedische Massage nicht bleiben. Kurz nach diesem Flug nach Indien begann ich meine TriLoChi-Ausbildung bei Michaela Busch. Michi sprach positiv von der Auswirkung einer Synchronmassage. Sie betonte, dass die Synchronmassage weniger den muskulären Körper als den energetischen Körper behandelt. Die Synchronmassage richtet sich nach den Nadis – dem indischen Gegenstück der Meridiane – und bringt die Energie wieder zum Fließen. Gut, ich gebe dieser Massage noch einmal die Chance -dachte ich mir damals!

ChakraBild Yogi
Standard lizenz, Quelle: Bild 9731078 Amaviael/Shotshop.com

Das war damals Anfang 2005 oder so. Seither ist viel Geschehen. Ich habe viele verschiedene Ayurvedische Massagen und Anwendungen bekommen. Ich war in Indien, Sir Lanka und in Singapur zur Ayurveda Massage. Ich habe inzwischen verschiedene Ayurveda Ausbildungen  – Rosenberg Akademie, Stefan Isop, Ralph Steuernagel, Midgard-Kalari -absolviert. Eins ist mir seither klar geworden: Die klassische Ayurveda-Massage gibt es nicht. Sowie Indien ein Kontinent und weniger ein Land ist, so kann auch der Ayurveda nicht einheitlich sein. Der Anwender gibt sein eigenes Verständnis in den Ayurveda und geht den Weg, den er für richtig hält. Wichtig ist dabei, daß das Gegenüber sich auf den Weg einlässt und ihn mitgeht.

Nur unter dieser Voraussetzung kann Ayurveda funktionieren und benötigt dann auch weniger empirische Studien als eigene Erfahrungen. In diesem Sinne:

 

Bleibt gesund und genießt Eure Massagen!

 

Euer Adrian

Ethno Health Apotheke

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