Aderlass nach Hildegard von Bingen: Ablauf & Kontraindikationen
Übersicht
Aderlass nach Hildegard von Bingen: Zeitpunkt, Menge, Ablauf – und klare Kontraindikationen
Der „Aderlass nach Hildegard von Bingen“ ist eine traditionelle Methode aus der Klostermedizin, die bis heute in der Naturheilkunde angeboten wird. Mir ist dabei wichtig, zwei Dinge gleichzeitig sauber zu halten:
- Die Hildegard-Lehre hat klare Regeln (vor allem bei Zeitpunkt und Menge).
- Moderne Sicherheit geht immer vor: Kreislauf, Blutwerte, Medikamente und Vorerkrankungen entscheiden, ob das Verfahren überhaupt verantwortbar ist.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Abklärung. Ich gebe keine Heilversprechen. Ob ein Aderlass in deinem Fall sinnvoll und sicher ist, hängt von deiner Vorgeschichte, deinen Laborwerten und deiner aktuellen Belastbarkeit ab.
Was ist der Aderlass nach Hildegard von Bingen?
Beim Aderlass wird eine definierte Menge Blut aus einer Vene entnommen. In der Hildegard-Tradition wird das als „Reinigung“ bzw. Entlastung des Blutes verstanden. Häufig wird dabei beschrieben, dass das Blut im Verlauf der Entnahme „heller“ werde.
Wichtig: Das ist nicht automatisch gleichzusetzen mit modernen, klar definierten medizinischen Indikationen (z. B. Aderlass bei Hämochromatose oder Polycythaemia vera). Der Hildegard-Aderlass folgt einer eigenen Logik – und muss heute immer kritisch und sicherheitsorientiert eingeordnet werden.
Der wichtigste Unterschied: Zeitpunkt und Menge sind festgelegt
1) Der Zeitpunkt
In der Hildegardschen Lehre gilt: Der Aderlass wird nur in den ersten 6 Tagen nach Vollmond durchgeführt.
Das ist ein Kernmerkmal dieser Methode – und genau deshalb unterscheidet sie sich von einem „allgemeinen“ Aderlass, der (wenn überhaupt) nach anderen Kriterien geplant wird.
2) Die Menge
Genauso wichtig: Beim Hildegard-Aderlass ist nicht „je mehr, desto besser“ – sondern eine klar begrenzte, moderate Blutmenge.
In der heutigen Praxis wird im Hildegard-Kontext häufig eine Entnahmemenge von ca. 150–250 ml beschrieben – mit dem Kriterium, dass die Entnahme beendet wird, sobald ein leichter Farbumschlag des Blutes ins Hellere beobachtet wird.
Das ist das zweite zentrale Unterscheidungsmerkmal: Nicht nach Gefühl „weiterlaufen lassen“, sondern nach festem Rahmen.
Wichtig für die Sicherheit: Die konkrete Menge muss immer zur Person passen (Körpergewicht, Kreislauf, Ausgangswerte). Und: Wenn Hb/Ferritin niedrig sind, ist auch „nur 150 ml“ zu viel.
Vollmondkalender 2026 (für die Planung des Zeitfensters 1.–6. Tag nach Vollmond)
Damit du das Hildegard-Zeitfenster praktisch planen kannst, findest du hier die Vollmond-Termine 2026 (Deutschland/MEZ/MESZ). Das relevante Zeitfenster für den Hildegard-Aderlass wäre jeweils Tag 1 bis Tag 6 nach dem Vollmond.
Monat 2026 | Vollmond (Datum) | Uhrzeit |
Januar | 03.01.2026 | 11:03 |
Februar | 01.02.2026 | 23:09 |
März | 03.03.2026 | 12:38 |
April | 02.04.2026 | 04:12 |
Mai | 01.05.2026 | 19:23 |
Juni | 30.05.2026 | 09:45 |
Juli | 29.06.2026 | 01:53 |
August | 28.07.2026 | 19:36 |
September | 26.08.2026 | 13:18 |
Oktober | 25.09.2026 | 06:54 |
November | 25.10.2026 | 00:28 |
Dezember | 23.11.2026 | 18:02 |
Hinweis: Uhrzeiten können je nach Quelle minimal abweichen. Für die Praxisplanung reicht das in der Regel aus – wenn du es ganz exakt willst, nutze bitte einen astronomischen Kalender für deinen Standort.
Für wen Hildegard den Aderlass empfohlen hat (traditionell eingeordnet)
In der Hildegard-Tradition wird der Aderlass vor allem bei Menschen beschrieben, die als „zu voll“ oder „überladen“ gelten – also eher Fülle-/Stauungs-Konstitution.
In alltagstauglicher Sprache sind das häufig Menschen, die z. B. Folgendes berichten:
- Druck- oder Schweregefühl, „Stauung“, Spannungsgefühl
- „Hitze“, innere Unruhe, Reizbarkeit
- Kopfdruck/Kopfschwere (wichtig: erst abklären, nicht einfach „weg-aderlassen“)
- das Gefühl, der Körper „kommt nicht gut in die Regulation“
Das ist keine Diagnose – eher eine traditionelle Beschreibung, die heute immer mit moderner Diagnostik abgeglichen werden muss.
Klare Kontraindikationen: Wann ein Aderlass nach Hildegard nicht gemacht werden sollte
Ein Aderlass ist kein Wellness-Tool. Er beeinflusst Blutvolumen, Kreislauf und (je nach Häufigkeit/Volumen) auch den Eisenhaushalt. Deshalb gibt es Situationen, in denen ich sehr klar abraten würde bzw. in denen es ohne ärztliche Abklärung nicht verantwortbar ist.
Sehr klare/typische Kontraindikationen
- Anämie (Blutarmut) oder Verdacht darauf
- Eisenmangel / niedriges Ferritin (auch ohne Anämie)
- Schwangerschaft
- Akute Infekte/Fieber oder deutlich erhöhte Entzündungszeichen
- Starke Erschöpfung / „Crash“-Zustände (z. B. nach Infekt, bei deutlicher Belastungsintoleranz)
- Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder instabiler Kreislauf
- Gerinnungsstörungen
- Blutverdünner/Antikoagulanzien (z. B. Warfarin/Marcumar, DOAKs) ohne klare ärztliche Rücksprache: nein
- Unkontrollierter Bluthochdruck
- Untergewicht / Mangelernährung
Relative Kontraindikationen (Abwägung)
- Neigung zu Synkopen (Ohnmacht), sehr niedriger Blutdruck
- neurologische Symptome unklarer Ursache
- chronische Erkrankungen in instabiler Phase
- sehr hohe Stresslast + Schlafmangel (Regeneration nach Aderlass kann schlechter sein)
Wenn du dich hier wiederfindest: Das ist kein „Ausschluss für immer“, aber ein klares Signal: erst abklären, dann entscheiden.
Vorbereitung: So bereitest du dich (und deinen Kreislauf) sinnvoll vor
1) Vorab-Check (Sicherheit vor Tradition)
Bevor ich überhaupt über einen Aderlass spreche, kläre ich:
- Kreislaufstabilität (Schwindel, niedriger Blutdruck, Ohnmacht?)
- Medikamente (v. a. Blutverdünner, Blutdruckmittel)
- Vorerkrankungen (Herz, Gefäße, Gerinnung)
2) Sinnvolle Laborwerte (je nach Ausgangslage)
- Hämoglobin/Hämatokrit
- Ferritin (Speichereisen)
- bei Verdacht: Entzündungsmarker (z. B. CRP)
3) Am Tag des Aderlasses
Je nach Schule/Tradition wird teils „nüchtern“ empfohlen. Wenn jemand kreislauflabil ist, kann „komplett nüchtern“ aber kontraproduktiv sein. Deshalb gilt für mich: individuell und sicher.
Praktisch bewährt:
- ausreichend trinken (Wasser/ungesüßter Tee)
- leicht essen (wenn Kreislauf empfindlich ist)
- kein intensiver Sport vorher
- Zeit einplanen: danach nicht direkt durchgetaktet weiter
Ablauf: Was den Hildegard-Aderlass typischerweise ausmacht
- Durchführung im Zeitfenster 1.–6. Tag nach Vollmond
- Entnahme einer klar begrenzten Blutmenge (häufig ca. 150–250 ml)
- Orientierung an einem Beobachtungskriterium (traditionell: „Farbumschlag“ ins Hellere)
- Kreislaufkontrolle und Nachbeobachtung
Die konkrete Menge und das Vorgehen gehören in fachkundige Hände und werden individuell festgelegt.
Nachbereitung: Was nach dem Aderlass wichtig ist
Nach dem Aderlass ist dein Körper erst mal mit Ausgleich beschäftigt. Das ist normal.
- Ruhe: am selben Tag keine Höchstleistung
- Trinken: Flüssigkeit auffüllen
- Essen: leicht, nährstoffreich, eiweißbetont
- Wärme: viele reagieren dankbar auf Wärme (Decke, Tee)
- Beobachten: Schwindel, Herzrasen, ungewöhnliche Schwäche oder starke Hämatome → ernst nehmen und abklären
Regeneration
- Sport: je nach Konstitution eher 24–48 Stunden pausieren
- Sauna/Hitze: am selben Tag eher vermeiden
- Alkohol: besser pausieren
Fazit
Der Aderlass nach Hildegard von Bingen ist vor allem durch sein festes Zeitfenster (1.–6. Tag nach Vollmond) und eine klar begrenzte, moderate Menge (häufig ca. 150–250 ml) definiert. Wenn man ihn heute nutzt, dann bitte nicht als „Detox-Shortcut“, sondern als Verfahren, das klare Kontraindikationen hat und eine saubere Vorbereitung und Nachsorge braucht.
Kein Heilversprechen. Bei akuten Beschwerden oder Unsicherheit: bitte ärztlich abklären.