AYURNA Praxis für Ayurveda & Naturheilkunde

Schmerzfrei – Eine Betrachtung aus der Ayurveda Naturheilpraxis

Dieser Artikel setzt gewisse Grundkenntnisse im Ayurveda voraus. Sollten die Begrifflichkeiten zu verwirrend sein, ist eine kurze Erklärung beigefügt. Grundbegriffe wie VATA, PITTA und KAPHA können leicht auf anderen Seiten nachgelesen werden.

Es empfiehlt sich den Artikel abschnittsweise zu lesen, da er insgesamt etwas länger geworden ist.

Viele Menschen haben Schmerzen und wünschen sich nichts mehr als schmerzfrei zu sein. Der Schmerz ist zu einem stetigen Begleiter geworden, manchmal ist es nur ein kurzer und aktueller Impuls und für andere ist es ein täglicher Dauerbegleiter geworden. Sei es nur morgens, wenn man sich beginnt zu bewegen. Oder ein Dauerreiz, der fast 24 Stunden am Tag spürbar ist. Doch Schmerz ist schwer zu beurteilen. Für den Blutdruck gibt es Werte auf einer Skala ablesbar und von der WHO (oder American Heart Association) mit Normwerten belegt. Bei chronischen Schmerzen möchte die betroffene Person, dass man ihr glaubt. 

Ich kann nur am eigenen Fall erfahren, was Schmerzen sind.

Die eigenen erlittenen Schmerzen bilden für jeden die einzige Erlebnisgrundlage für die Abstraktion des allgemeinen Begriffes des Schmerzes.

Daher ist das Wort Schmerz für mich nur deshalb ein bedeutungsvoller Ausdruck, weil ich selbst Schmerzen gehabt habe“

L. Wittgenstein

Kein Mensch wird jemals schmerzfrei sein. Schmerz begleitet unser Leben und ist auch eine der häufigsten Ursache für Besuche beim Therapeut oder Arzt. Schmerz ist immer eine komplexe und äußerst subjektive Sinneswahrnehmung.

Im akuten Fall ist Schmerz ein Warnsignal, das uns vor größeren Schäden bewahren soll, wenn wir zum Beispiel unsere Hand rasch von einer noch heißen Herdplatte ziehen oder nach einem Schnitt mit dem Gemüsemesser. Bei chronischen Schmerzen ist der Charakter des Warnsignals verloren gegangen. Das chronische Schmerzsyndrom wird in der Medizin heute als eigenständiges Syndrom gesehen.

 

Schmerzdefinition

Die Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP; International Association for the Study of Pain) beschreibt Schmerz folgendermaßen:

Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigungen einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebsschädigung die Ursache.

Schmerz als Sinnes- und Gefühlserlebnis

Im ersten Teil der Begriffsbestimmung wird Schmerz als unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis beschrieben. Mit dem Begriff „Sinneserlebnis“ ist zum Beispiel gemeint, dass der Schmerz als brennend, stechend, bohrend oder reißend empfunden werden kann. Zum anderen geht es hier auch um die Schmerzstärke, die etwa mit einer Zahl von „0“ bis „10“ geschätzt werden kann. Dabei bedeutet „0“, dass keine Schmerzen gespürt werden, während „10“ für den stärksten vorstellbaren Schmerz steht. Mit dem Begriff „Gefühlserlebnis“ wird auf die emotionalen Anteile des Schmerzes eingegangen, der zum Beispiel als quälend, mörderisch oder erschöpfend beschrieben werden kann. Diese beiden Anteile im Erleben von Schmerz sind untrennbar miteinander verbunden.
Entwicklungsgeschichtlich gehört der Schmerz zu den frühesten, häufigsten und eindrücklichsten Erfahrungen eines jeden Menschen. Schmerz ist überlebenswichtig – trotz allen Leids, das er bewirken kann. Aus körperlicher Sicht gesehen stellen Schmerzen eine lebenserhaltende biologische Reaktion auf schädigende Einwirkungen dar – auch dann, wenn es noch nicht zu einer Gewebeschädigung gekommen ist. Alle höherentwickelten Lebensformen, insbesondere die Wirbeltiere, verfügen über dieses Frühwarnsystem. Es hat sich im Laufe der Entwicklung des Lebens so verfeinert, dass alle höheren Lebewesen auch die Fähigkeit haben, die Schmerzen vorübergehend auszuschalten oder zu dämpfen. Nervenzellen von Rückenmark und Gehirn tauschen dabei Botenstoffe aus und hemmen sich gegenseitig – zuweilen so stark, dass ein Mensch in einer Gefahrensituation nichts von einer gerade entstandenen Verletzung merkt, sondern erst später, wenn sich die Situation beruhigt hat. In einer Not- oder Fluchtsituation kann diese Reaktion einer Schmerzunterdrückung unter Umständen lebensrettend sein. Fasziniert sind wir von Fakiren, die durch jahrelanges Training vorübergehende Schmerzfreiheit trotz selbst zugefügter Verletzungen erlernt haben und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Bei Zahnschmerzen suchen aber auch diese „Schmerzkünstler“ recht schnell einen Zahnarzt auf. 😄

Schmerz im Ayurveda

Bei allen Schmerzsyndromen steht die VATA-Störung (Vata steht für das windige Element), d.h. die übermäßige Vermehrung des VATA Doshas im Vordergrund. Die körperlichen und auch die psychische Stabilität ist verloren gegangen. Muskel- und Knochengewebe, sowie Knorpel, Sehnen und Bänder und eventuell das Nervengewebe sind geschwächt oder beeinträchigt. Bei chronischen Schmerzen ist OJAS (Essenz eines perfekten Stoffwechselvorgangs; verleiht Strahlkraft, Immunität und Gesundheit) vermindert. Häufig ist zumindest lokal AMA (Stoffwechselrückstand) vermehrt. Bei entzündlichen Veränderungen kommt eine PITTA-Störung (Pitta steht für das feurige Element) hinzu.

Akute Schmerz

Akuter Schmerz ist nützlich. Natürlich müssen akute Schmerzen behandelt werden – wie zum Beispiel nach einem Knochenbruch -. Weil ansonsten sind die akuten Schmerzen unerträglich sind. So wird nach Knochen-, Sehnen- und Bandverletzungen die verletzte Extremität ruhig gestellt (mit Verbänden oder Schienen), und es wird selbstverständlich ein Schmerzmittel gegeben. Auch während oder nach Operationen erhalten Sie ein Schmerzmittel vom Arzt. Akute Schmerzen üben eine für unseren Körper notwendige Warnfunktion aus, um Gewebeschäden zu vermeiden. Das Wort „akut“ meint hier einen plötzlich auftretenden Schmerz, der nicht für längere Zeit anhält.

Wenn Schmerzen ohne einen typischen Auslöser fortbestehen und sich verselbstständigen, verliert der Schmerz seine Warnfunktion und es kommt zur Entstehung einer Schmerzerkrankung, die über Monate oder Jahre hinweg andauern kann.

Dass viele Menschen lang anhaltende oder häufig wiederkehrende Schmerzen erleiden müssen, hat zwei Ursachen:

  1. Eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen ist mit Schmerzen für die Betroffenen verbunden, wie z.B. rheumatische Leiden, Diabetes oder Tumorerkrankungen.
  2. Schmerz kann selbst zu einer Erkrankung werden, auch wenn eine körperliche (somatische) Ursache nicht oder nicht mehr vorhanden ist, und hat damit seine biologisch sinnvolle Warnfunktion verloren.


Nach Meinung von Fachleuten wird chronischer Schmerz heute als eine eigenständige Krankheit betrachtet. In wissenschaftlichen Studien werden dabei für die Festlegung, ob es sich um einen chronischen Schmerz handelt, Zeiträume von drei oder auch sechs Monaten Schmerzdauer genannt. Für den betroffenen Schmerzpatienten spielt eine solche Einteilung aber eine untergeordnete Rolle. Aktuell hat sich das Verständnis chronischer Schmerzen so verändert, dass alle Schmerzen als chronisch bezeichnet werden, deren Dauer über das Ausmaß einer akuten (frisch aufgetretenen) Ursache hinaus nicht nachvollziehbar lange anhält. Für Patienten und ihre Angehörigen kann es besonders belastend sein, wenn dabei keine körperliche Ursache für das lange Andauern der Schmerzen gefunden wird. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass das soziale Umfeld auf die für Außenstehende unerklärbaren Schmerzen oft mit Unverständnis reagiert. Rasch werden die Betroffenen mit Sätzen wie: „Der simuliert doch nur!“ oder „Das ist doch reine Einbildung!“ ausgegrenzt.

Chronischer Schmerz/ Chronisches Schmerzsyndrom

Diese Form von Schmerz ist nicht nützlich und hat zusätzlich die Eigenschaft, sich selbst zu verstärken.

Wenn Schmerzreize ständig auf das Schmerzsystem (Schmerzrezeptoren, Nervensystem, Rückenmark und bestimmte Regionen im Gehirn) einwirken, weil die Ursache nicht beseitigt wird, wie z.B. bei chronischen Entzündungen, löst dies im Schmerzsystem komplizierte Veränderungen aus. Das Nervensystem wird mindestens auf einer oder auch auf allen Ebenen empfindlicher und reagiert selbst bei leichten Reizen. Am Ende entsteht ein Schmerzgedächtnis. Die körpereigenen Mechanismen zur Schmerzhemmung sind nicht mehr in der Lage, den Daueralarm im Nervensystem wirkungsvoll zu dämpfen.

Häufige chronische Schmerzsyndrome

Schon der Blick auf eine (unvollständige) Liste chronischer Schmerzsyndrome lässt die Ursachen erahnen:

  • Knie- und Hüftgelenksschmerzen
  • Schulter-Arm-Syndrom
  • Rückenschmerzen
  • Migräne
  • Neuralgien
  • Tumorschmerzen
  • Schmerzen bei chronischen Entzündungen (Rheuma, Bauchschmerzen)
  • psychische und soziale Schmerzen (z.B. Trennungsschmerz, Schmerzen bei psychischen Erkrankungen)

Die wichtige Frage nach der Ursache chronischer Schmerzen

Von einer sinnvollen Therapie muss unbedingt die Ursache geklärt und – wenn möglich – beseitigt werden. Sinnloses „herumdoktern“ an Symptomen kann auf Dauer kein Erfolg bringen. Und ist für Patienten und Therapeuten gleichermaßen frustrierend.

Die häufigsten Ursachen aus moderner Sicht sind:

  • hohe Schmerzintensität
  • unbewältigter Stress
  • langdauernde körperliche Fehl- oder Überbelastung
  • psychisch bedingte Verspannungen – man hat sich zu viel psychische Last und unbewältigen Stress auf die Schultern geladen
  • nicht ausgeheilte Verletzungen
  • Abnutzung der Gelenke
  • Entzündungen
  • hohes Alter

Typische Ursachen aus ayurvedischer Sicht sind:

  • deutlicher erhöhtes VATA
  • erhöhtes PITTA (kann entzündliche Prozesse begünstigen)
  • Stress und Überbelastung (führt zu einer VATA-Störung)
  • falsche Ernährung, Mangel an Spurenelementen und/ oder Vitaminen (führt zu VATA-Störungen mit Instabilität und/ oder KAPHA-Störungen mit Überbelastung und Abnutzung z.B. der Gelenke sowie zu Ansammlungen von AMA).
  • Mangel an Sport und Bewegung (führt zu einer VATA- und/ oder KAPHA-Störung)
  • unpassende Bewegung, auch ungünstige Yoga-Asanas (führen zu VATA- und/ oder PITTA-Störungen)
  • fehlende Regeneration, Ruhe und Entspannung (führt zu VATA-Störungen)
  • Hohes Lebensalter (VATA-Zeit)

Wichtig

Bei schweren und/ oder chronischen Schmerzen, nicht ausgeheilten Verletzungen und akuten Entzündungen sollten Sie unbedingt vor jeder Eigenbehandlung einen Heilpraktiker/ Arzt aufsuchen. Beachten Sie: Grundlagen jeder Schmerztherapie sind neben den passenden Schmerzmitteln die richtige Ernährung, die richtige Bewegung, die richtige Atmung und die richtige Entspannung. Setzen Sie sich realistische Ziele. Mit Gewalt werden Sie nichts erreichen. Dies sind auch die fünf Grundpfeiler des Sivananda Yoga.

Die moderne Therapie

Der moderne Ansatz der multimodalen Schmerztherapie geht von einer kombinierten Schmerzbehandlung aus, die eine interdisziplinäre Behandlung nach einem Behandlungsplan umfasst. Interdisziplinär bedeutet für den Patienten, dass seine Therapie nicht nur von einer Fachkraft durchgeführt wird. Für viele Patienten ist deswegen der Aufenthalt in einer Kur-Anstalt ein wahrer Segen, da es zuhause oft an Disziplin oder Möglichkeiten mangelt.

Die Säulen der modernen Therapie sind:

  • Schmerztherapie mit Medikamenten, Injektionen, Akupunktur usw.
  • Physiotherapie
  • Muskel- und Beweglichkeitstraining
  • Psychotraining
  • Entspannungstherapie
  • Achtsamkeitstraining
  • operative Eingriffe, wenn notwendig

Ein wesentlicher Baustein, die richtige Ernährung und gesunde Ernährung, die für einen Wiederaufbau geschädigter Gewebe sowie für die Funktion und Stabilität aller Gewebe unbedingt notwendig ist, wird bis heute in der modernen Medizin vernachlässigt. Eine Ausnahme sind die Ernährungs-Docs, die zum Thema chronische Erkrankungen, die häufig mit Schmerz verbunden sind, mehrere Bücher veröffentlicht haben. Bei genauer Betrachtung sind diese Ernährungsrichtlinien mit ayurvedischen Regeln, z.B. bei der Therapie von VATA-Störungen kompatibel.

Die ganzheitliche ayurvedische Therapie

Ayurveda setzt in der Therapie chronischer Schmerzen auf die Eigenverantwortung jedes Menschen für seine Gesundheit. Gesundheit ist nicht delegierbar, auch nicht an einen Arzt oder Therapeuten. Jeder Arzt und jedes Medikament können nur ausgleichen, was die Natur nicht bietet. Dies wird nicht nur im Ayurveda so gesehen wie das folgende Zitat des XIV. Dalai Lama zeigt:

Jeder Mensch ist der Meister seines Schicksals; es ist an uns, die Ursachen des Glücks zu schaffen. Das liegt in unserer eigenen Verantwortung und nicht in der irgendeines anderen.

XIV. Dalai Lama

Alle therapeutischen Maßnahmen des Ayurveda sollen VATA und bei Bedarf (z.B. Entzündungen) zusätzliche PITTA besänftigen, Strukturen und Gewebe (insbesondere auch das Nervengewebe) stabilisieren und wieder aufbauen sowie Lebensenergie (OJAS) vermehren und erhalten. Außerdem muss AMA (Schlackenstoffe) – wenn nötig – beseitigt werden.

Kleiner Exkurs zum Begriff AMA

Ama stellt ein einzigartiges Konzept im Ayurveda dar. All das, was wir essen, trinken und atmen soll für die Bedürfnisse des Körpers bearbeitet werden. Dies wird mithilfe der Verdauung verwirklicht. Bei diesem Verdauungsprozess bleibt im Körper ein Teil von den aufgenommenen Stoffen, die für den Organismus gesund sind und die Überschüssigen werden als Abfall ausgeschieden. Wenn das Verdauungsfeuer (Agni) schwach oder unzureichend aktiv ist und wenn mehr Essen oder Getränke konsumiert werden, als verarbeitet werden können, widerspiegelt sich das Ergebnis in einer gestörten Verdauung. Sie ist damit verbunden, dass die gesunden Bestandteile von dem Abfall nicht getrennt werden können.

Dieser Zustand kann mit einer unreifen Frucht verglichen werden, bei der schwer ist, den Saft von dem Fruchtfleisch zu trennen.

In der allgemein anwendbaren Sprache sind die Wörter unreif oder unbearbeitet (ungekocht) mit dem Wort Ama identisch. Der Weise, der diesen Begriff einführte, wurde von dem Wunsch geleitet, die Wichtigkeit der richtigen Verdauung zu unterstreichen, bevor neues Essen, Getränke oder Arzneimittel aufgenommen werden.

Ama stellt ein wichtiger Faktor zur Entwicklung allerlei Pathologien dar, weil die schlechte Verdauung den Organismus schädigen kann, indem sie den Bereich der Zellen, Gewebe oder Organe beschädigt.

Definition von Ama 

Ama ist ein Fachbegriff über unverdautes Essen, das von dem Organismus aufgenommen wird, aber nicht bearbeitet wird. Ein solcher teilweise zerlegter Stoff kann von dem System nicht benutzt werden und verstopft es, indem er auf diese Weise eine Reaktion seitens des Immunsystems hervorruft.

Wie wird Ama gebildet?

Die Bildung von Toxinen stellt die erste Stufe von der Verschlechterung der Energie dar. Sie kann sich in verschiedenen Körperteilen ansammeln.

  • Wegen der geschwächten Kraft des Verdauungsfeuers (Agni) bildet sich die erste Dhatu (Gewebetransformation), die Rasa genannt worden ist, nicht richtig und das Essen, das in Amashaya (Magen) geblieben ist, ist für lange Zeit einer Fermentierung unterzogen.
  • Wenn die Doshas Vata, Pitta und Kapha in einem falschen Verhältnis zueinander stehen, führt dies zur Bildung von Ama Dosha.

Doch nun zurück zur Schmerztherapie, genauer gesagt: Die ganzheitliche ayurvedische Therapie. Sie erinnern sich: Grundlagen jeder Schmerztherapie sind neben den passenden Schmerzmitteln die richtige Ernährung, die richtige Bewegung, die richtige Atmung und die richtige Entspannung.

Richtige Ernährung

Grundlage ist eine weitgehende sattvische und VATA angepasste Ernährung, d.h. die Nahrung soll frisch zubereitet, nahrhaft und aufbauend sein. Hauptbestandteile sind Kohlenhydrate (Geschmacksrichtung süß, die VATA und PITTA beruhigt), gekochtes Gemüse und frisches Obst. Vitamine und Spurenelemente müssen bei Bedarf ergänzt werden. Gemieden werden sollten scharfe, bittere, sehr sauere, sehr salzige und unnötig fette Speisen. Besonders die geliebte Wurst, der Schweinebraten und größere Mengen Alkohol können eine Regeneration oder Heilung verzögern oder unmöglich machen.

Auch hier besteht die Möglichkeit die Lebensmittel entsprechend des Gesund + Aktiv Ernährungsplans auszuwählen. Der Gesund + Aktiv Ernährungsplan beachtet neben der Blutgruppe auch den Stoffwechseltyp: drei unterschiedlichen Typen unterschieden. Sozusagen eine westliche, moderne Betrachtung von VATA, PITTA und KAPHA.

Englischsprachiges Video zu den Ayurvedischen Körpertypen
Erläuterungsvideo zum Gesund + Aktiv Ernährungsplan
Stefan Isop erläutert in diesem Video die Ayurveda Ernährung und die Grundlagen der ayurvedischen Küche

Yoga-Asanas

Yogaübungen sollen Kraft, Stabilität, Beweglichkeit und Ruhe bringen. Zusätzlich eignet sich Yoga, um Achtsamkeit zu üben und Spannungen abzubauen.

Asanas werden anfangs ausschließlich nach den Richtlinien für VATA ausgeführt. Es soll gleichmäßig, mit moderatem aber anhaltendem Einsatz geübt werden. Körper und Geist bleiben trotz Anstrengung ruhig und entspannt. Dabei muss auf die spezifischen Einschränkungen und Probleme besondere Rücksicht genommen werden. An erster Stelle steht regelmäßiges, vorsichtiges und sattvisches Üben. Sattvisch üben bedeutet ausgleichend, im richtigen Maß, voll positiver Energie und fair zu sich selbst. Die schmerzenden Regionen (zum Beispiel Rücken, Gelenke) sollen in diesem Fall möglichst belastungsfrei bewegt werden. Es müssen insbesondere auch alle Funktionen und die Stabilität des Rumpfes und der Wirbelsäule gleichmäßig geübt werden. Auch eine ausreichende Entspannung ist wichtig. (Anmerkung: Auch die LiebscherBracht Engpassdehnungen sollen für den ganzen Körper durchgeführt werden und nicht nur für den spezifischen Bereich.)

Um eine Besserung zu erreichen, müssen die Übungen regelmäßig (mindestens dreimal pro Woche) durchgeführt werden. (Anmerkung: Oftmals scheitert die Schmerztherapie an der eigenen Disziplin sich Zeit für die Übungen zu nehmen. Kürze Trainingseinheiten lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Auf diese Weise wird es zu einer positiven, gesunden Gewohnheit.)

Beispiele für Übungen, die auch bei Schmerzsyndromen möglich sind, finden Sie in guten Yogabüchern (Zum Beispiel von Remo Rittiner oder R.Srriram). Weitere, spezifischere Yogaübungen müssen durch einen kompetenten und medizinisch versierten Yogalehrer individuell ausgewählt werden, eventuell auch in Zusammenarbeit mit einem Arzt und/ oder Ayurveda-Spezialisten.

Auch mit Atemübungen (PRANAYAMA) können Sie Energien lenken, ausgleichen, entspannen oder auch Ihr „Mütchen“ kühlen und Achtsamkeit üben. Geeignet sind beispielsweise die tiefe Bauchatmung, UJJAYI-Atmung und SHITALI (Atemübung, bei der mit einem zischenden Laut über die längs gerollte Zunge eingeatmet wird). Hierzu finden sich auch verschiedene Übungen und Anleitungen auf YouTube.

Hier eine kleine Videoanleitung zur Ujjayi Atmung.

Ayurvedische Massagen

Ayurveda-Massagen und sonstige Therapien sollen körperliche und geistige Schlacken (AMA) entfernen, regenerieren, Körper und Geist entspannen und bei Bedarf Entzündungen hemmen. Besonders wirksam sind Massagen mit Mahanarayana Thailam. Dieses Öl ist eines der besten VATA reduzierenden Ayurveda-Öle. Entzündungshemmend und regnerierend wirken auch lokale Massagen mit Murivenna Keram und Pinda Thailam. Zur Verbesserung des Muskelstoffwechsels und zur Unterstützung der Regeneration ist auch Balaashwagandha Thailam gut geeignet. Ideal sind Massagen durch einen erfahrenen Ayurveda-Therapeuten, können aber auch selbst durchgeführt werden. Sehr nützlich zur psychischen Regeneration ist auch der SHIRODHARA, der Stirnölguss.

Nahrungsergänzungen

Ayurvedische Kräuter als Nahrungsergänzungen können die Therapie positiv unterstützen. Einige dieser Kräuter haben auch Zugang in den westlichen Nahrungsergänzungen gefunden. Besonders geeignet sind SHALLAKI (Boswellia serrata) und auch GUDUCHI(Tinospora cordifolia). SHALLAKI wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. Boswellia serrata ist auch in Deutschland in wissenschaftlichen Studien gut untersucht. Der wichtigste Inhaltsstoff ist die Boswelliasäure. Die Wirkung setzt nach vier bis sechs Wochen ein. GUDUCHI wirkt blutreinigend, verjüngend und abwehrsteigernd. Bei psychischer Belastung ist BRAHMI (Bacopa monniera) zu empfehlen. BRAHMI reguliert und verbessert die Gehirnfunktion, wirkt stresslösend und fördert die Konzentration.

Beispiele – Häufige Erkrankungen mit chronischen Schmerzen

Rückenschmerzen

Die mit Abstand häufigsten Ursachen sind eine allgemeine Haltungsschwäche aufgrund einer unzureichenden Muskulatur des Rumpfes und unbewältiger Stress.

Therapie aus moderner und ayurvedischer Sicht

Die körperliche und psychische Stabilität muss wiederhergestellt werden. Außerdem muss die Qualität des Muskel- und Knochengewebes verbessert werden. Eine gute Ernährung ist als Grundlage selbstverständlich.

An erster Stelle steht regelmäßiges Training, v.a. der Bauchmuskulatur. Insbesondere Yoga ist hier sehr effektiv. Um einen dauerhaften Erfolg zu spüren, müssen aber auch alle anderen körperlichen( sportlichen Fähigkeiten regelmäßig (mindestens dreimal pro Woche) geübt werden. Die Therapie, d.h. das körperliche Training, kann bei starken Rückenproblemen begleitet werden von sehr wirksamen Ayurveda-MAssagen mit Mahanarayana-Öl. Anfangs können auch moderne Medikamente und/ oder ayurvedische Kräuter sinnvoll sein.

Schulter-Arm-Syndorm

Durch unsere Arbeits- und Lebensgewohnheiten werden Nacken, Wirbelsäule, Schulter und Arme stark belastet. Die Muskulatur, die Bänder und die Gelenke sind für diese Belastungen häufig zu schwach und zu wenig trainiert. In vielen Fällen wird auch die wichtige Regenration durch ausgleichende Bewegung (Yoga, Sport), richtige Ernährung und ausreichende Entspannung vergessen.

Anfänglich werden die Beschwerden nicht selten auf die leichte Schulter genommen oder einfach ignoriert. Die möglichen Ursachen werden nicht beseitigt. Die Folge davon ist am Ende das sogenannte Schulter-Arm-Syndrom mit starken Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich. Die richtige Therapie ergibt sich aus den Ursachen (siehe auch Rückenschmerzen).

Kopfschmerzen/ Migräne

Sehr viele Patienten klagen über Kopfschmerzen. Bei zunehmenden starken Kopfschmerzen oder Kopfschmerzen mit Begleitreaktionen (Erbrechen, Fieber, Bewusstseinstrübung) muss allerdings unbedingt nach organischen Ursachen gefahndet werden. Sind organische Ursachen ausgeschlossen, kann mit einer adjuvanten Therapie begonnen werden.

Therapie aus moderner und ayurvedischer Sicht

Bei starken Kopfschmerzen darf und soll rechtzeitig ein einfaches Schmerzmittel gegeben werden. Denken Sie daran: Das Gehirn merkt sich Schmerzen, wir haben ein Schmerzgedächtnis.

Grundlage der ayurvedischen Therapie ist einerseits eine Ernährung nach den Richtlinien für VAT bzw. PITTA. Konservierte und schlecht verdauliche, fette Nahrung, wie z.B. Wurst, soll gemieden werden. Die zweite Säule der Therapie ist körperliche/ sportliche Aktivität mindestens dreimal pro Woche. Rauchen und größere Mengen Alkohol sind selbstverständlich nicht erlaubt.

Beispiele zusätzlicher wirkungsvoller Maßnahmen:

  • Ayurveda-Massagen mit Mahanrayana-Öl
  • Shirodhara (Stirnölguss)
  • Hydrotherapie nach Kneip
  • eventuell Kräuter oder Medikamente, je nach Ursache

Abschließende Bemerkungen

Eine Ayurvedische Therapie kann die moderne (auch naturheilkundliche) Therapie sehr gut ergänzen. Bei akuten Beschwerden und Verletzungen ist die moderne Therapie zwar schneller und überlegen, bei lang andauernden und chronischen Schmerzen ist der Nutzen einer zusätzlichen ayurvedischen Behandlung jedoch sehr groß und auf Dauer Erfolg versprechender.

Aus ayurvedischer Sicht ist in vielen Fällen bei chronischen Schmerzen, so z.B. bei Rheuma (AMA-VATA), eine Panchakarma-Kur zur Entschlackung und Regeneration notwendig und sinnvoll.

Die Therapie chronischer Schmerzen erfordert eine intensive Mitarbeit des Patienten. Ohne richtige Ernährung, richtige Bewegung (Yoga, Sport) und Entspannung geht es nicht.

Dieser Blog wurde inspiriert auf Grundlage eines Artikels von Dr. med Detlef Grunert und Ulrike Grunert, erschienen im Ayurveda Journal Ausgabe 04-19.

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