Aufgabe der Nase

Hausputz für die Nase – Neti

Erläuterungen zur Nasendusche

Im Winter werden wir der Leistung unserer Nase wieder voll bewusst. Heizungsluft oder kalte Winterluft strapazieren die Leistung unseres feinen Filterapparats – Nase – zunehmend. Spätestens wenn die Nase komplett verstopft ist und das normale Schnäuzen keine Abhilfe mehr schafft, greifen viele Menschen zu Nasensprays. Eine einfache und effektive Alternative zu den Nasensprays ist die Spülung der Nase mit Salzwasser. Bei den Yoga-Praktizierenden als Jala-Neti bekannt, ist es Teil der Shatkarma Kriyas.  In den letzten Jahren findet man die Nasenspülkännchen auch verstärkt in den Reformhäusern oder Drogeriemärkten. Man muss auch nicht unbedingt Yoga praktizieren, um von den Vorzügen dieses Reinigungsrituals zu profitieren. 

Auch wenn ich hier immer wieder von Yoga schreibe, so ist Neti auch Teil des Ayurveda. Hier wird die Nasenreinigung zur Dinacharya gezählt. Unter Dinacharya werden kleine Tages-Aufgaben verstanden, die der persönlichen Gesundheitspflege – körperlich wie auch geistig – dienen.


Anatomie und Aufgabe der Nase

Die Zahl der Menschen mit Erkrankungen der Nasenwege ist in den Industrieländern ansteigend. Die Operationen an Nasennebenhöhlen beträgt in Deutschland circa 50.000 Menschen pro Jahr. Im Bekanntenkreis gibt es immer mehr Menschen mit Krankheiten wie Allergien, Heuschnupfen, chronischer Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündungen. Unsere trockene und überheizte Raumluft lässt unsere empfindliche Nasenschleimhaut zunehmend austrocknen und sorgt für Reizungen und Verkrustungen.

Atem ist nicht nur lebensnotwendig, es ist ein „Brennstoff des Lebens.“ Der darin enthaltene Sauerstoff ermöglicht unseren Zellen, die vorhandenen Nährstoffe zu verbrennen. Dies liefert uns die notwendige Energie für die Aufrechterhaltung unseres Lebens.

Bei einer anatomischen Betrachtung der Nasenregion sehen wir sieben Öffnungen: zwei Nasenlöcher, zwei Tränengänge, zwei eustachische Röhren sowie den Rachen. Zusätzlich befinden sich dort die Mündungen der Stirn-Kieferhöhlen. Aus diesem Grund wird die Nasenregion in Sanskrit Saphta-Patha genannt, die sieben Wege. Über 20000 Atemzüge machen wir täglich, ein- und ausatmend. Somit hat das freie und gute Funktionieren dieser Körperregion einen erheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden, körperlich und auch mental.

Idealerweise erfolgt unsere Ein- und Ausatmung über die Nase. Die Nasenschleimhaut kleidet unsere innere Nase und die Atemwege aus. Die Nasenschleimhaut besetzt schleimbildende Zellen, die mehr als einen halben Liter Schleim pro Tag bilden. Dieser Schleimteppich wird ungefähr alle 10 bis 20 Minuten komplett ersetzt.

Aufgabe der Nase

Die kalte Atemluft wird über ein gute entwickeltes System von Blutgefäßen in der Nasenschleimhaut vorgewärmt, um so die empfindlichen Lungengewebe vor zu kalter Luft zu schützen. Die verdunstende Flüssigkeit der Nasenschleimhaut, bewahrt gleichzeitig die Lunge vor Austrocknung. Weiterhin erfolgt die Überprüfung der Atemluft durch unseren Geruchssinn, wodurch Gefahren frühzeitig erkannt werden (Anmerkung: Viele schädigende Gase stinken). Die mikroskopisch feinen Flimmerhärchen filtern ebenfalls unsere Atemluft. Durch die Atmung durch den Mund entfällt diese vorgeschaltete Reinigungsfunktion. Der sich ständig erneuernde Schleim wird durch rhythmische Bewegungen zum Rachen und andererseits aus der Nase bewegt. In diesem Sekret sind beispielsweise Pollen, Staubpartikel und Erreger aufgefangen worden. Die Enzyme des Magens neutralisieren diese Mischung aus Schleim und Fremdkörper. Auch die die Nasennebenhöhlen sind in diesen Selbstreinigungsprozess miteinbezogen, denn feine Kanäle verbinden die Nasennebenhöhlen mit den Naseninnenraum.

Abwehrfunktion gegen Fremdkörper und Infektionen

Aus der Überlegung der Funktionen der Nasenschleimhaut wird schnell klar, dass sie eine wichtige Abwehrfunktion gegenüber Fremdkörpern und Infektionen zu erfüllen hat. Ist unser Schleimhautsekret zu zähflüssig, verfestigt oder zu flüssig können die eingedrungenen Partikel und Mikroorganismen nicht mehr ausreichend abtransportiert werden. Die Folge sind dann oft Entzündungen der Nasennebenhöhlen und chronischer Schnupfen. Im Rachen und im Bereich der Mandeln kommt es leichter zur Anhäufung von fremden Keimen, welche Infektionen (Halsschmerzen oder Mandelentzündungen) zur Folge haben können.

Schmerzhafte Entzündungen der Stirnhöhlen und Nasennebenhöhlen sind oft durch eine Verklumpung der feinen Verbindungskanäle im Naseninnenraum. Bei fehlendem Luftaustausch kann es zu Druckproblemen und Schmerzen kommen, was sicherlich schon manch Flugreisender am eigenen Laib zu spüren bekommen hat. Eine Entzündung folgt, wenn das Sekret gestaut wird. Bakterielle Infektionen können sich so leicht entwickeln. Bakterien können in die Nebenhöhlen hineinwachsen und Vereiterungen auslösen.

Was passiert bei der Nasenspülung?

Leicht gesalzenes, lauwarmes Wasser fließt durch die Nasengänge und spült Fremdstoffe aus. Das warme Salzwasser löst Verkrustungen und die normale Funktionsfähigkeit der Nasenschleimhaut wird wieder hergestellt. Die kleinen Öffnungen der Verbindungskanäle, die in die Nasenhöhle führen, werden durch die Nasenspülung freigehalten. Die Nasenatmung wird leichter und freier, die Schleimhäute schwellen wieder ab.

Die Nasenscheidewand ist nicht bis zur Nasenwurzel durchgängig ausgebildet, kann das Wasser durch einen Durchgang oben im Rachenraum durchfließen. Der Durchgang verbindet beide Nasenflügel. Das Wasser fließt in das Nasenloch hinein und aus dem anderen heraus.

Auch der Tränengang mündet in den Nasenraum. Ein kontinuierlich feiner Strom von salziger Tränenflüssigkeit fließt fortwährend als eine natürliche Wäsche in die Nase hinein.

Wie mache ich die Nasenwäsche?

Für viele Menschen ist der Gedanke Salzwasser durch die Nasen fließen zu lassen, sehr unangenehm. Andere haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr unangenehm in der Nase brennt. Meistens war dann die Salzwasser-Mischung zu stark oder zu dünn in der Konzentration. Auch zu warmes oder zu kaltes Wasser kann die Erfahrung unangenehm machen. Mit etwas Übung findet man schnell die richtige Temperatur des Wassers, lauwarm bzw. körperwarm. Die Salzkonzentration soll in etwa der Tränenflüssigkeit angepasst sein. Nach einigen Versuchen findet sich aber schnell die individuell richtige Dosis. Die physiologische Kochsalzlösung entspricht 9 g Salz auf 1 Liter Wasser, als Richtwert.

Einfaches Kochsalz – idealerweise ohne Jod – genügt völlig. Für empfindliche Konstitutionen ist ein Salz ohne Rieselhilfe etc zu empfehlen. Je feiner das Salz ist, umso leichter fällt es die richtige Mischung zu finden. Meersalz ist oft zu grobkörnig und löst sich daher nicht so gut auf. Zu Beginn ist es auch praktisch, sich eines Nasenspülsalzes zu bedienen. Zu Beginn habe ich mich dabei gerne dem Bad Emser Nasensalz bedient, da ich schnell diese gute Dosierung für mein Spülkännchen herausfand. Achten Sie darauf, dass das Salz komplett im Wasser aufgelöst ist. Sie können das gesalzene Wasser mit dem Finger mehrmals umrühren und bekommen so auch ein Gespür für die richtige Temperatur.

Nasenkännchen gibt es in verschiedenen Ausführungen zu kaufen. (Link zu Amazon) Ob aus Metall, Porzellan oder Plastik bleibt viel dem persönlichen Geschmack überlassen. (Anmerkung: Ich selbst bevorzuge ein Kännchen aus Plastik, da dies einfach nicht so leicht zu Bruch geht. Sehr schöne Spülkännchen sind mir vom Waschbeckenrand gefallen und sofort zersprungen.) Viele Nasenkännchen erinnern in der Form an eine Gießkanne, deren Ausgießer in der Form an die Nasenöffnung angepasst ist.

Das gefüllte Nasenkännchen wird in ein Nasenloch geführt. Neigen Sie die Kopf nach vorne und schräg zur Seite. Auf diese Weise läuft die Salzwasserlösung ganz leicht aus der anderen Nasenöffnung wieder heraus. Atmen Sie dabei durch den leicht geöffneten Mund! Sollte Wasser in den Rachen laufen, korrigieren Sie etwas die Haltung.

Englischsprachiges Anleitungsvideo auf youtube

Bei der richtigen Handhabung läuft das Wasser von alleine und man benötigt auch keinen Druck. Manche Nasenduschen erlauben die Möglichkeit, dass man mit einer Hand etwas auf Druck auf das Gefäß ausüben kann und somit die Flüssigkeit „schneller“ läuft. Dabei riskieren Sie aber, dass der Druck das Sekret weiter nach oben schiebt und nicht unbedingt die Verkrustungen gelöst werden.

Nachdem das Wasser durch die eine Seite der Nase gelaufen ist, wiederholen Sie es mit der anderen Seite. Schnäuzen Sie sich dann ordentlich ins Waschbecken. Mit sanften Atemzügen trockenen Sie nun die Nase.

Sollten Sie Jala-Neti (Nasenspülung) öfters anwenden, empfiehlt es sich nach der Durchführung mit etwas Öl (zum Beispiel Sesamöl) die Nasenschleimhaut zu pflegen. Ansonsten kann es sein, dass das Salzwasser die Nasenschleimhäute auch austrocknet.

Wenn Sie mit Kapalbhati und Nadi Shodanam vertraut sind, können Sie diese Atem-Übungen gerne direkt an Ihre Nasenwäsche anschließen.

Wann ist eine Nasenwäsche angezeigt?

  • Bei häufig verstopfter oder „laufender“ Nase.
  • Bei häufigen Erkältungen.
  • Bei Neigung zu Entzündungen der Nasennebenhöhlen.
  • Bei Neigung zu Entzündungen der oberen Luftwege.
  • Bei Heuschnupfen.
  • Bei häufig auftretendem Stirnhöhlenkatarrh.
  • Bei Tätigkeiten in staubigen, verschmutzten oder klimatisierten Räumen.
  • Bei häufigen Ohrenschmerzen durch Entzündungen des Mittelohres.

Kontraindikationen sind wenig bis kaum bekannt. Bei Fenstern in den Nebenhöhlen und bei operativen Eingriffen im Nasenraum sollte vor der Nasenwäsche der Arzt befragt werden. Hier eine kleine Liste, wann Neti nicht angezeigt ist:

  • akute Entzündungen der Nasenschleimhaut.
  • Nasenbluten oder Verletzungen
  • Im Anschluss an Operationen im Nasen/ Rachenraum.
  • Kurz bevor Sie in die Kälte hinausgehen (< 5°C).

Weitere Vorzüge der Nasenwäsche

Wie schon öfters erwähnt ist der offensichtlichste Vorteil der Nasenspülung das Entfernen von übermäßigem Nasenschleim. Es gibt aber noch weitere Vorzüge:

  • leichteres (Durch-)Atmen.
  • Der Atem fließt leichter, was beruhigend wirken kann.
  • Bei regelmäßiger Durchführung kann sich der Geruchs- und Geschmacksinn verbessern.
  • Blockaden beim Öffnen der Eustachischen Röhre können sich verringern (Thema Druckausgleich).
  • Yoga-Quellen suggerieren, dass der Sehnerv durch den nahen Wasserfluß besänftigt wird und die Augen entspannt werden.
  • Bei regelmäßiger Anwendung können sich chronische Entzündungen und Irritationen der Nasenschleimhaut verbessern.
  • Beschwerden durch eine verstopfte Nase werden gelindert.
  • Die Anwendung von abschwellenden Nasensprays kann sich reduzieren.
  • Yoga-Atemübungen sowie Konzentrations- und Meditationstechniken werden erleichtert.
  • Die Mundatmung kann verringert werden.

Wenn Sie die Vorzüge der Nasenreinigung lieben gelernt haben, gibt es auch noch kleine (therapeutische) Abwandlungen der Nasendusche. Dr. David Frawley hat dazu ein eigenes Buch herausgebracht: „Neti – Die Heilgeheimnisse des Yoga und Ayurveda.“ – Falls Sie sich also weiter in die Materie einarbeiten möchten. 

 

Reingungsübungen im Yoga

Die Panchakarma im Ayurveda ist heutzutage schon relativ bekannt. Panchakarma-Kuren werden inzwischen weltweit angeboten.

Doch auch der Yoga kennt seine eigene Variante des Panchakarma. Leider werden diese Reinigungstechniken meistens nur in der Yoga-Lehrerausbildung vermittelt. Alexander Kobs hat sich intensiver mit diesen Reinigungstechniken beschäftigt und dazu das Buch „Shatkarma – Die Geheimnisse der Yoga-Reinigung“ geschrieben.

Sie möchten diese Technik unter Anleitung erlernen? Dann haben Sie jederzeit die Möglichkeit sich durch einen Therapeuten oder Yogalehrer einweisen zu lassen.

Als Yogalehrer und Ayurveda-Therapeuten finden Sie mich auf meiner Elemental Yoga Webseite. Möchten Sie gesundheitliche Aspekte berücksichtigt wissen, um zum Beispiel die Ayurvedischen oder Yogischen Reinigungen zu erlernen, dann buchen Sie mich direkt über die Webseite hier.

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